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title: "Missverständnisse bei Ernährungseinschränkungen bei Nierenerkrankungen: Warum richtig essen wichtiger ist als weniger essen"
locale: de
category: knowledge_base
category_name: "Wissensdatenbank"
translation_status: reviewed
license: cc_by
author: "injoys"
source_url: https://injoys.com/en/articles/ckd-diet-restriction-malnutrition-sarcopenia
published_at: 2026-08-16T07:45:32+09:00
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# Missverständnisse bei Ernährungseinschränkungen bei Nierenerkrankungen: Warum richtig essen wichtiger ist als weniger essen

> Wer bei einer chronischen Nierenerkrankung pauschal alle Lebensmittel und Eiweiß reduziert, kann das Risiko für Mangelernährung, Muskelverlust und Gebrechlichkeit erhöhen. Die Ernährung sollte anhand der Nierenfunktion, des Dialysestatus, der Blutwerte sowie des Körpergewichts und Muskelzustands angepasst werden, wobei nur die notwendigen Nährstoffe gezielt eingeschränkt werden.

## Key Points

- Bei chronischen Nierenerkrankungen sollte nicht die gesamte Nahrungsaufnahme pauschal reduziert werden. Stattdessen ist eine ausreichende Energiezufuhr sicherzustellen, während nur die erforderlichen Nährstoffe angepasst werden.
- Werden zu wenig Kalorien und Eiweiß aufgenommen, nutzt der Körper Muskeln als Energiequelle. Dadurch kann das Risiko für Sarkopenie und Protein-Energie-Wasting steigen.
- Da die Eiweißanpassung bei chronischer Nierenerkrankung ohne Dialyse und die Eiweißergänzung bei Dialysepatienten unterschiedliche Ziele verfolgen, darf nicht derselbe Ernährungsplan angewendet werden.
- Kalium und Phosphor werden nicht bei allen Patienten einheitlich eingeschränkt, sondern unter Berücksichtigung der Blutwerte, Medikamente, Darmsituation und Nahrungsquellen angepasst.
- Bei anhaltendem Gewichtsverlust, vermindertem Appetit, nachlassender Muskelkraft oder geringerer Nahrungsaufnahme ist eine Beurteilung durch die Nephrologie und eine Fachkraft für klinische Ernährung erforderlich.

Bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit ist die Ernährung wichtig. Sie darf jedoch nicht unmittelbar als „so wenig wie möglich essen“ verstanden werden. Übermäßige Einschränkungen können eine ausreichende Aufnahme von Energie und essenziellen Nährstoffen verhindern und dadurch zu Muskelverlust, eingeschränkter körperlicher Funktion, erhöhter Infektanfälligkeit und Gebrechlichkeit führen.

Umgekehrt bedeutet dies nicht, dass Protein oder Natrium völlig uneingeschränkt verzehrt werden dürfen. Entscheidend ist, entsprechend dem Stadium der Nierenfunktion, dem Dialysestatus, den Blutwerten, den Begleiterkrankungen und dem Ernährungszustand **zwischen einzuschränkenden Bestandteilen und Bestandteilen, die in ausreichender Menge aufgenommen werden müssen, zu unterscheiden**.

## Zentrale Schlussfolgerung: Wichtiger als die gesamte Nahrungsmenge ist, was eingeschränkt wird

Bei der Ernährung bei chronischer Nierenkrankheit bestehen zwei unterschiedliche Ziele nebeneinander.

1. Natrium, Protein und andere Bestandteile werden im erforderlichen Umfang angepasst, um die Belastung der Nieren und Stoffwechselstörungen zu verringern.
2. Es werden ausreichend Energie und Nährstoffe zugeführt, um Körpergewicht, Muskulatur und Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Wird nur eines dieser Ziele betont, entstehen Probleme. Werden Art und Menge der Nahrung übermäßig reduziert, kann der Körper wegen des Energiemangels sogar das aufgenommene Protein als Energiequelle nutzen. Werden dagegen proteinreiche Mahlzeiten, salzige Speisen und verarbeitete Lebensmittel unkontrolliert verzehrt, kann dies bei manchen Patienten die Behandlung der Nierenkrankheit erschweren.

Daher entspricht der Ausdruck **individuell abgestimmte, ausgewogene Ernährung** den tatsächlichen Grundsätzen eher als „Restriktionsdiät“.

## Warum weniger Essen zu Muskelverlust führt

### Bei Energiemangel baut der Körper gespeichertes Gewebe ab

Wenn über die Nahrung nicht genügend Energie zugeführt wird, baut der Körper nicht nur Fett, sondern auch Muskelprotein ab, um Energie und Aminosäuren bereitzustellen. Wenn gleichzeitig auch die Proteinzufuhr reduziert ist, lässt sich dieser Verlust noch schwerer ausgleichen.

Bei chronischer Nierenkrankheit können folgende Faktoren den Muskelverlust zusätzlich fördern:

- Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Geschmacksveränderungen
- Entzündungen und Infektionen
- metabolische Azidose
- verminderte körperliche Aktivität
- Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Nährstoffverluste und Stoffwechselbelastung während der Dialyse
- übermäßig komplizierte Ernährungseinschränkungen

### Protein-Energie-Mangel ist nicht einfach nur Untergewicht

Der bei Nierenkrankheiten verwendete Begriff „Protein-Energie-Mangel“ bezeichnet einen Zustand, bei dem die körpereigenen Protein- und Energiereserven abgenommen haben. Zur Beurteilung werden nicht nur der Gewichtsverlust, sondern auch eine Abnahme der Muskelmasse, eine geringere Nahrungsaufnahme, ein niedriger Body-Mass-Index und bestimmte Blutwerte gemeinsam berücksichtigt.

Bei Ödemen kann die Muskelmasse abnehmen, obwohl das Körpergewicht aufgrund der eingelagerten Flüssigkeit gleich zu bleiben oder sogar zuzunehmen scheint. Daher darf nicht allein anhand der Zahl auf der Waage davon ausgegangen werden, dass der Ernährungszustand unproblematisch ist.

## Proteinbeschränkung ist nicht für alle dieselbe Verordnung

Internationale Leitlinien empfehlen Patienten mit chronischer Nierenkrankheit, die nicht dialysepflichtig sind, im Allgemeinen eine übermäßig hohe Proteinzufuhr zu vermeiden. Die KDIGO-Leitlinie 2024 nennt für Erwachsene mit chronischer Nierenkrankheit im Stadium 3–5 eine Proteinzufuhr von etwa 0,8 g pro kg Körpergewicht und Tag. Erwachsenen mit Progressionsrisiko wird empfohlen, eine hohe Proteinzufuhr von mehr als 1,3 g pro kg und Tag zu vermeiden.

Diese Zahlen stellen jedoch keine individuelle Verordnung dar. Der tatsächliche Bedarf hängt von Alter, Körperbau, Ernährungszustand, Diabetes, Entzündungen, körperlicher Aktivität, Schwangerschaft und Dialysestatus ab. Bei Adipositas oder Ödemen wird für die Berechnung möglicherweise nicht das aktuelle Körpergewicht unverändert zugrunde gelegt.

### Wann eine proteinarme Ernährung infrage kommt

Bei einigen metabolisch stabilen, nicht dialysepflichtigen Patienten kann unter Aufsicht des medizinischen Personals und von Ernährungsexperten eine stärker proteinreduzierte Ernährung eingesetzt werden. Dabei muss eine ausreichende Energiezufuhr gewährleistet sein, während Ernährungszustand und Blutwerte fortlaufend überwacht werden. Wenn Patienten eigenmächtig sowohl Reis als auch Beilagen reduzieren, unterscheidet sich dies von einer leitliniengerechten proteinarmen Ernährung.

### Mit Beginn der Dialyse ändern sich die Voraussetzungen

Während einer Hämodialyse oder Peritonealdialyse können Proteinverluste und katabole Prozesse auftreten. Daher ist der Proteinbedarf im Allgemeinen höher als bei nicht dialysepflichtigen Patienten. Wird die proteinarme Ernährung aus der Zeit vor der Dialyse unverändert fortgeführt, kann es zu einer Unterversorgung kommen. Sie muss deshalb entsprechend den Vorgaben des Dialysezentrums neu angepasst werden.

## Was bei den einzelnen Nährstoffen angepasst werden sollte

| Bestandteil | Grundprinzip | Probleme einer übermäßigen Einschränkung | Warum eine individuelle Anpassung erforderlich ist |
|---|---|---|---|
| Gesamtenergie | So viel zuführen, dass Körpergewicht und Muskulatur erhalten bleiben | Kann Gewichtsverlust, Muskelabbau, Müdigkeit und Gebrechlichkeit verursachen | Alter, Aktivitätsniveau, Körperbau und Gewichtsziele unterscheiden sich |
| Protein | Nicht dialysepflichtige Patienten sollten einen Überschuss vermeiden und die verordnete Menge erreichen | Eine übermäßige Reduktion kann Muskulatur und körperliche Funktion beeinträchtigen | Stadium der Nierenkrankheit, Ernährungszustand und Dialysestatus sind entscheidend |
| Natrium | Im Allgemeinen sollten salzige Speisen und verarbeitete Lebensmittel reduziert werden | Wenn der Geschmack der Speisen zu stark beeinträchtigt wird, kann die gesamte Nahrungsaufnahme abnehmen | Blutdruck, Ödeme, Herzinsuffizienz und eingenommene Medikamente müssen gemeinsam berücksichtigt werden |
| Kalium | Kaliumquellen werden angepasst, wenn der Kaliumspiegel im Blut erhöht ist oder ein Risiko für einen Anstieg besteht | Unnötige Einschränkungen verringern die Aufnahme von Obst, Gemüse und Ballaststoffen | Auch Medikamente, Azidose, Verstopfung, Blutzucker und die verbleibende Nierenfunktion haben Einfluss |
| Phosphor | Die Zufuhr wird anhand des Phosphorspiegels im Blut und der Lebensmittelquellen angepasst | Werden sämtliche proteinhaltigen Lebensmittel gemieden, kann es zu Mangelernährung kommen | Phosphatzusätze sowie tierische und pflanzliche Quellen weisen unterschiedliche Absorptionsraten auf |
| Flüssigkeit | Wenn das medizinische Personal eine Einschränkung anordnet, ist die vorgegebene Menge einzuhalten | Eine unnötige Einschränkung kann das Risiko einer Dehydrierung erhöhen | Abhängig von Urinmenge, Ödemen, Herzinsuffizienz und Dialyseverfahren |

Der in Ernährungsleitlinien genannte tägliche Energiebedarf wird häufig individuell in einem Bereich von etwa 25–35 kcal pro kg Körpergewicht festgelegt. Dies ist jedoch keine Vorgabe zur eigenständigen Berechnung. Der Bedarf hängt von Alter, Aktivitätsniveau, Gewichtsveränderungen und Krankheitszustand ab. Auch welches Körpergewicht der Berechnung zugrunde gelegt wird, muss von Fachleuten beurteilt werden.

## Warum Kalium und Phosphor nicht bedingungslos gemieden werden sollten

### Bei Kalium müssen Laborergebnis und Ursache gemeinsam betrachtet werden

Wenn die Nierenfunktion abnimmt, kann die Kaliumausscheidung erschwert sein. Eine Hyperkaliämie tritt jedoch nicht bei allen Patienten mit chronischer Nierenkrankheit auf. Der Kaliumspiegel im Blut kann auch durch bestimmte Blutdruckmedikamente, eine metabolische Azidose, Verstopfung, die Blutzuckereinstellung und Fehler bei der Untersuchung beeinflusst werden.

Wenn die Laborwerte normal sind und Obst und Gemüse umfassend gestrichen werden, kann es an Ballaststoffen, Vitaminen und Vielfalt in der Ernährung mangeln. Ist der Kaliumwert erhöht, sollte zunächst ermittelt werden, woher das Kalium tatsächlich stammt. Anschließend sind Lebensmittelart, Menge und Zubereitungsweise anzupassen.

### Bei Phosphor ist nicht nur die Menge, sondern auch die absorbierbare Form entscheidend

Verarbeitetes Fleisch, Schmelzkäse, Fertigprodukte und einige Getränke können Phosphatzusätze enthalten. Phosphor in Form von Zusatzstoffen wird relativ gut aufgenommen. Phosphor in pflanzlichen Lebensmitteln liegt als Phytat vor und wird tendenziell schlechter aufgenommen.

Um die Phosphorzufuhr zu reduzieren, sollten daher nicht alle proteinhaltigen Lebensmittel gestrichen werden. Stattdessen ist es notwendig, die Zutatenlisten auf Phosphatzusätze zu prüfen und zugleich Nährwert und Absorptionsrate zu vergleichen.

## Unterschiede je nach Stadium der Nierenfunktion und Dialysestatus

| Situation | Schwerpunkt der Ernährung |
|---|---|
| Frühe chronische Nierenkrankheit | Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, Vermeidung eines Natriumüberschusses, ausgewogene Ernährung und Erhaltung eines angemessenen Gewichts |
| Fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit ohne Dialyse | Vermeidung eines Proteinüberschusses, Sicherstellung einer ausreichenden Energiezufuhr, Überwachung von Kalium, Phosphor, Azidose und Ernährungszustand |
| Hämodialyse | Sicherstellung einer angemessenen Proteinzufuhr, Kontrolle der Gewichtszunahme zwischen den Dialysen sowie von Natrium und Flüssigkeit, Anpassung von Kalium und Phosphor |
| Peritonealdialyse | Ausgleich von Proteinverlusten, Berücksichtigung der aus der Dialyselösung aufgenommenen Glukose sowie von Gewicht und Blutzucker |
| Ältere und gebrechliche Patienten | Vorrangiger Erhalt von Muskulatur und Funktion sowie gemeinsame Bewertung des Nutzens von Einschränkungen und des Risikos von Nährstoffverlusten |

Auch bei derselben „Nierendiät“ ändern sich die Ziele je nach Stadium. Es ist nicht sicher, Ernährungspläne aus dem Internet anzuwenden, ohne die Nierenfunktion und den Dialysestatus zu prüfen.

## So wird die tatsächliche Ernährung überprüft

### 1. Zunächst die aktuelle Nahrungsaufnahme und Gewichtsveränderungen dokumentieren

Etwa 3 Tage lang werden verzehrte Speisen und Getränke, Nahrungsmenge und Appetit dokumentiert. Auch Gewichtsveränderungen in den vergangenen 1–6 Monaten werden überprüft. Dabei ist zu unterscheiden, ob Ödeme oder Flüssigkeitsschwankungen vor und nach der Dialyse vorliegen.

### 2. Zu reduzierende und beizubehaltende Lebensmittel unterscheiden

Statt die gesamte Nahrungsaufnahme auf einmal zu reduzieren, sollten zunächst die Bestandteile ermittelt werden, die vorrangig angepasst werden müssen. Dazu gehören salzige Brühen, hochverarbeitete Lebensmittel, proteinreiche Nahrungsergänzungsmittel und Phosphatzusätze. Werden auch Reis oder andere Energiequellen bedingungslos reduziert, kann ein Energiemangel entstehen.

### 3. Blutwerte und Begleiterkrankungen gemeinsam betrachten

Neben der glomerulären Filtrationsrate und der Albuminurie sollten Kalium, Bicarbonat, Phosphor, Blutzucker und Blutfettwerte gemeinsam mit dem medizinischen Personal überprüft werden. Statt aufgrund eines einzelnen Wertes langfristige Einschränkungen vorzunehmen, sollten Verlauf und Ursache ermittelt werden.

### 4. Neben dem Gewicht auch die Muskelfunktion beobachten

Es sollte geprüft werden, ob das Gehen langsamer geworden ist, das Aufstehen von einem Stuhl schwerfällt oder das Treppensteigen anstrengender geworden ist. In medizinischen Einrichtungen können Handkraft, Gehgeschwindigkeit, Körperzusammensetzung und Ernährungsbeurteilungen herangezogen werden.

### 5. Die Vorgaben regelmäßig neu anpassen

Nierenfunktion, Medikamente, Dialysestatus und Appetit verändern sich. Statt einen Ernährungsplan aus einem früheren Stadium unverändert fortzuführen, muss das Ausmaß der Einschränkungen entsprechend den Laborergebnissen und dem Ernährungszustand neu festgelegt werden.

## Leicht übersehenes Problem: Schon die Komplexität der Einschränkungen kann ein Risiko darstellen

Wenn ein Patient einzelne Anweisungen wie „Fleisch ist nicht erlaubt“, „Gemüse ist wegen des Kaliums nicht erlaubt“, „Milchprodukte und Hülsenfrüchte sind wegen des Phosphors nicht erlaubt“ und „Reis ist wegen des Zuckers nicht erlaubt“ jeweils für sich übernimmt, bleiben möglicherweise kaum Lebensmittel übrig, die er tatsächlich essen kann. Dies kann als Belastung durch Ernährungseinschränkungen betrachtet werden.

Eine sichere Beratung erweitert die Verbotsliste nicht immer weiter, sondern setzt die Prioritäten in folgender Reihenfolge:

1. Zunächst werden eine potenziell lebensbedrohliche Hyperkaliämie oder eine schwere Flüssigkeitsüberlastung behandelt.
2. Eindeutige Quellen einer übermäßigen Zufuhr wie Natrium, zugesetztes Phosphat und übermäßige Proteinmengen werden ermittelt.
3. Gleichzeitig werden Lebensmittel genannt, die Energie und essenzielle Nährstoffe ersetzen können.
4. Der Nutzen der Einschränkungen und das Risiko eines Gewichts- und Muskelverlusts werden regelmäßig miteinander verglichen.

Auf die Anweisung, „was nicht gegessen werden soll“, muss stets die Information folgen, „was stattdessen in welcher Menge gegessen werden soll“.

## Können sich die Nieren durch Ernährung wieder erholen?

Bei einer akuten Nierenschädigung kann sich die Funktion durch Behandlung der Ursache zu einem erheblichen Teil erholen. Strukturelle Schäden infolge einer chronischen Nierenkrankheit lassen sich jedoch häufig nicht vollständig rückgängig machen. Eine gesunde Ernährung oder Bewegung darf nicht wie eine bestimmte Behandlungsmethode dargestellt werden, die eine Regeneration der Nieren garantiert.

Durch die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker sowie die Kombination einer angemessenen medikamentösen Behandlung mit Ernährung und Bewegung kann jedoch die Albuminurie abnehmen oder sich der Verlust der Nierenfunktion verlangsamen. Ein realistisches Ziel für Patienten ist weniger die „Heilung“ eines einzelnen Laborwertes als vielmehr die Verlangsamung des Fortschreitens, die Vorbeugung von Komplikationen und der Erhalt der körperlichen Funktion.

## Warnzeichen, die dem medizinischen Personal rasch mitgeteilt werden sollten

Bei folgenden Veränderungen sollte nicht von einem bloßen Appetitproblem ausgegangen werden. Stattdessen sollten eine nephrologische Fachabteilung oder Fachleute für klinische Ernährung informiert werden.

- Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust hält an.
- Über mehrere Tage kann nur etwa die Hälfte der üblichen Nahrungsmenge gegessen werden.
- Es bestehen Übelkeit, Erbrechen, starke Geschmacksveränderungen oder Schluckbeschwerden.
- Gehen und Treppensteigen werden plötzlich schwierig oder die Muskelkraft nimmt deutlich ab.
- Ödeme oder Atemnot verschlimmern sich und das Gewicht verändert sich rasch.
- Es treten starke Antriebslosigkeit, Herzklopfen oder ein Lähmungsgefühl in den Muskeln auf.

Bei schwerer Atemnot, Brustschmerzen, Bewusstseinsveränderungen oder einem plötzlich auftretenden Lähmungsgefühl kann eine Notfalluntersuchung erforderlich sein.

## Zusammenfassung

Gefährlich für Patienten mit chronischer Nierenkrankheit sind nicht die Einschränkungen an sich, sondern **übermäßige Einschränkungen ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne Ersatzplan**. Im nicht dialysepflichtigen Stadium muss ein Proteinüberschuss vermieden werden, gleichzeitig sind jedoch ausreichend Energie und Nährstoffe sicherzustellen. Mit Beginn der Dialyse verändert sich der Proteinbedarf. Auch Kalium und Phosphor sollten erst nach Prüfung der Blutwerte und der tatsächlichen Quellen angepasst werden.

Nierenschutz und Muskelschutz sind keine gegensätzlichen Ziele. Wenn Laborergebnisse, aktuelle Nahrungsaufnahme, Gewichtsveränderungen und körperliche Funktion gemeinsam beurteilt werden, können beide Ziele gleichzeitig verfolgt werden.

## FAQ

### Muss man bei einer chronischen Nierenerkrankung vollständig auf Fleisch verzichten?
Nein. Patienten, die nicht dialysiert werden, müssen möglicherweise eine übermäßige Proteinzufuhr vermeiden, doch ein vollständiger Verzicht kann zu Mangelernährung und Muskelabbau führen. Die angemessene Menge und die Proteinquellen sollten anhand der Nierenfunktion, des Körpergewichts, des Ernährungszustands und der Frage, ob eine Dialyse durchgeführt wird, festgelegt werden.

### Verbessert sich die Nierenfunktion zwangsläufig, wenn man weniger Protein zu sich nimmt?
Es lässt sich nicht sagen, dass sie sich zwangsläufig verbessert. Bei einigen stabilen, nicht dialysierten Patienten kann eine fachlich überwachte proteinarme Ernährung hilfreich sein, vorausgesetzt, eine ausreichende Kalorienzufuhr und eine Überwachung des Ernährungszustands sind gewährleistet. Wird die gesamte Nahrungsmenge eigenmächtig reduziert, können Muskelmasse und körperliche Leistungsfähigkeit stattdessen abnehmen.

### Muss man auch nach Beginn der Dialyse weiterhin eine proteinarme Ernährung einhalten?
Im Allgemeinen haben Dialysepatienten einen höheren Proteinbedarf als nicht dialysierte Patienten. Da Proteinverluste und katabole Prozesse während der Dialyse berücksichtigt werden müssen, sollte die Ernährung aus der Zeit vor der Dialyse nicht unverändert fortgeführt, sondern in der Dialyseeinrichtung erneut beurteilt werden.

### Müssen Patienten mit einer Nierenerkrankung sämtliches Obst und Gemüse meiden?
Nein. Eine Kaliumbeschränkung wird individuell festgelegt, wenn der Kaliumspiegel im Blut erhöht ist oder ein bestätigtes Risiko für einen Anstieg besteht. Wenn die Untersuchungsergebnisse normal sind, kann ein weitgehender Verzicht auf Obst und Gemüse zu einer unzureichenden Aufnahme von Ballaststoffen und Mikronährstoffen führen.

### Ist der Ernährungszustand in Ordnung, solange man nicht abnimmt?
Nicht unbedingt. Ödeme oder eine Zunahme der Körperflüssigkeit können einen Muskelabbau verdecken. Neben dem Körpergewicht sollten auch die Nahrungsaufnahme, die Handgriffstärke, die Gehfähigkeit, die Muskelmasse und die Blutwerte gemeinsam beurteilt werden.

### Reicht es aus, proteinarme Lebensmittel für Menschen mit Nierenerkrankungen zu verwenden?
Proteinarme Produkte können einigen Patienten dabei helfen, ihre Proteinzufuhr zu kontrollieren und zugleich genügend Kalorien aufzunehmen, sind jedoch nicht für alle Patienten erforderlich. Auch der Natrium- und Zuckergehalt, die gesamte Ernährung und der Ernährungszustand müssen berücksichtigt werden; normale Mahlzeiten sollten dadurch nicht übermäßig ersetzt werden.

### Erholen sich geschädigte Nieren durch Sport?
Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass Sport chronische strukturelle Schäden unmittelbar rückgängig macht. Individuell angepasste Ausdauer- und Kraftübungen können jedoch dazu beitragen, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Muskulatur zu erhalten sowie Blutdruck und Blutzucker zu kontrollieren. Die Trainingsintensität sollte unter Berücksichtigung des Herz-Kreislauf-Zustands, des Dialyseplans und weiterer Faktoren festgelegt werden.

### Muss man auch die Kohlenhydratzufuhr stark reduzieren, wenn Diabetes und eine chronische Nierenerkrankung gleichzeitig vorliegen?
Eine Kontrolle des Blutzuckers ist erforderlich, doch eine übermäßige Reduzierung von Kohlenhydraten und der Gesamtkalorienzufuhr kann zu Mangelernährung führen. Zunächst sollten zuckerhaltige Getränke und raffinierte Lebensmittel angepasst werden; Energiequellen und Nahrungsmenge sollten unter gemeinsamer Berücksichtigung von Blutzucker, Körpergewicht und Nierenfunktion festgelegt werden.

### Muss man vollständig auf Milchprodukte und Hülsenfrüchte verzichten, wenn der Phosphatwert im Blut erhöht ist?
Eine pauschale vollständige Einschränkung ist nur schwer zu empfehlen. Zunächst sollten verarbeitete Lebensmittel mit vielen Phosphatzusätzen ermittelt werden. Außerdem sollten der Nährwert der einzelnen Lebensmittel, die Aufnahmequote des enthaltenen Phosphors, der Proteinbedarf und die Einnahmevorschriften für verordnete Phosphatbinder gemeinsam überprüft werden.

### Kann eine chronische Nierenerkrankung allein durch die Ernährung vollständig geheilt werden?
Die meisten chronischen Nierenerkrankungen können nicht allein durch die Ernährung vollständig geheilt werden. Eine angemessene Ernährung, Bewegung, die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker sowie eine medikamentöse Behandlung zielen darauf ab, den Rückgang der Nierenfunktion zu verlangsamen und das Risiko von Komplikationen zu verringern.

## Sources

- [KDIGO 2024 Leitlinie für die klinische Praxis zur Beurteilung und Behandlung chronischer Nierenerkrankungen](https://kdigo.org/guidelines/ckd-evaluation-and-management/)
- [KDOQI-Leitlinie für die klinische Praxis zur Ernährung bei CKD: Aktualisierung 2020](https://www.ajkd.org/article/S0272-6386(20)30726-5/fulltext)
- [Gesunde Ernährung für Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung](https://www.niddk.nih.gov/health-information/kidney-disease/chronic-kidney-disease-ckd/eating-nutrition)
- [Eine vorgeschlagene Nomenklatur und diagnostische Kriterien für Protein-Energie-Mangelernährung bei akuten und chronischen Nierenerkrankungen](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18094682/)

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