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title: "Der Mythos Multitasking: Wie Wechselkosten die Arbeit ruinieren"
locale: de
category: knowledge_base
category_name: "Wissensdatenbank"
translation_status: reviewed
license: cc_by
author: "injoys"
source_url: https://injoys.com/en/articles/multitasking-myth-and-task-switching-cost
published_at: 2026-08-19T18:29:30+09:00
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# Der Mythos Multitasking: Wie Wechselkosten die Arbeit ruinieren

> Die Tatsache, dass Menschen mehrere Aufgaben erledigen können, ist nicht gleichbedeutend mit der Behauptung, sie könnten sich gleichzeitig intensiv auf mehrere Aufgaben konzentrieren. Die Hauptprobleme des Multitaskings sind die bei jedem Aufgabenwechsel entstehenden Wechselkosten, Aufmerksamkeitsrückstände und die Zunahme von Fehlern.

## Key Points

- Ein großer Teil des komplexen Multitaskings besteht nicht in der gleichzeitigen Bearbeitung, sondern im schnellen Wechsel zwischen mehreren Aufgaben.
- Beim Wechsel einer Aufgabe kostet es Zeit und kognitive Ressourcen, die bisherigen Regeln zu unterdrücken und neue Ziele sowie Informationen abzurufen.
- Die häufig zitierten Angaben von 11 Minuten und 28 % der Arbeitszeit sowie Behauptungen über die Dauer bis zur Wiederherstellung der Konzentration dürfen nicht als allgemeingültige Durchschnittswerte verwendet werden, ohne den Messgegenstand und die ursprüngliche Quelle zu prüfen.
- Automatisierte Handlungen und einfache Aufgaben im Hintergrund lassen sich parallel ausführen, doch zwei Aufgaben, die Urteilsvermögen und Gedächtnis erfordern, beeinträchtigen einander leicht.
- Um Aufgabenwechsel zu reduzieren, müssen nicht nur individuelle Willenskraft gefordert, sondern auch Benachrichtigungen, Meetings, Messenger und die Art der Aufgabenverteilung verbessert werden.

Multitasking wirkt wie die Fähigkeit, mehrere Dinge zu erledigen, entspricht in der realen Arbeit jedoch meist eher einem **Aufgabenwechsel (task switching)**, bei dem eine Aufgabe unterbrochen und zu einer anderen gewechselt wird. Wenn beide Aufgaben Urteilsvermögen, Sprachverarbeitung, Gedächtnis oder Fehlerüberwachung erfordern, konkurrieren sie um begrenzte kognitive Ressourcen.

Das Problem besteht daher nicht darin, dass Menschen im Laufe eines Tages verschiedene Arten von Arbeit erledigen. Entscheidend ist vielmehr, wie häufig sie während einer wichtigen Aufgabe Ziele und Regeln wechseln und wie viel Zeit und Genauigkeit sie dabei jeweils verlieren.

## Was ist Multitasking?

Verhaltensweisen, die im Alltag als Multitasking bezeichnet werden, lassen sich aus kognitionswissenschaftlicher Sicht in mehrere Typen unterteilen.

| Typ | Beschreibung | Beispiel | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Gleichzeitige Ausführung | Zwei Aktivitäten finden zur selben Zeit statt | Sich beim Gehen unterhalten | Bei schwierigeren Aufgaben nehmen die Interferenzen zu |
| Aufgabenwechsel | Eine Aufgabe wird unterbrochen und zu einer anderen gewechselt | Beim Schreiben eines Berichts auf eine Messenger-Nachricht antworten | Wechselkosten und Kontextverlust |
| Hintergrundverarbeitung | Ein System arbeitet, während die Person wartet | Dokumente ordnen, während eine Datei heruntergeladen wird | Das Prüfen von Benachrichtigungen kann einen neuen Wechsel auslösen |
| Kontinuierliche Überwachung | Während der Hauptaufgabe werden fortlaufend andere Signale überwacht | Während einer Besprechung das E-Mail-Fenster im Blick behalten | Geringere tiefe Konzentration auf die Hauptaufgabe |

Es steht außer Frage, dass das Gehirn automatisierte Prozesse wie Atmung, Körperhaltung und vertraute Bewegungen parallel steuern kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass zwei Aufgaben, die kontrollierte Aufmerksamkeit erfordern, etwa das Verfassen eines Berichts und das Verstehen einer Besprechung, gleichzeitig mit gleicher Qualität ausgeführt werden können.

## Warum Aufgabenwechsel die Leistung mindern

### Wechselkosten

Bei einem Aufgabenwechsel muss das Gehirn die Regeln der vorherigen Aufgabe unterdrücken und die Ziele, Informationen und Beurteilungskriterien der neuen Aufgabe aktivieren. Experimentelle Studien beobachten, dass Reaktionen langsamer werden oder Fehler zunehmen, wenn zu einer anderen Aufgabe gewechselt wird, statt dieselbe Aufgabe zu wiederholen. Dies wird als Wechselkosten bezeichnet.

Ein einzelner Wechsel mag kurz erscheinen, doch bei wiederholten Wechseln summieren sich die Kosten im Laufe des Tages. Besonders bei Tätigkeiten wie Programmierung, Analyse, Schreiben oder Vertragsprüfung, bei denen mehrere Informationen im Arbeitsgedächtnis gehalten werden müssen, ist es nach einer Unterbrechung aufwendig, den Kontext wiederherzustellen.

### Aufmerksamkeitsrückstände

Auch wenn die nächste Aufgabe physisch bereits begonnen wurde, kann ein Teil der Gedanken bei der vorherigen Aufgabe verbleiben. Unerledigte Arbeit, dringende Nachrichten und ungelöste Konflikte verringern die Aufmerksamkeit, die für die nächste Aufgabe verfügbar ist. Dieses Phänomen wird als **Aufmerksamkeitsrückstand (attention residue)** beschrieben.

Das vorherige Ziel verschwindet nicht sofort, nur weil ein Fenster geschlossen oder das Mobiltelefon mit dem Display nach unten gelegt wird. Werden vor einer Unterbrechung der aktuelle Stand und der nächste Handlungsschritt kurz notiert, bleiben Hinweise zurück, die den Wiedereinstieg erleichtern.

### Abwägung zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit

Menschen können das Gefühl haben, sich an häufige Wechsel gewöhnt zu haben, doch die wahrgenommene Geschwindigkeit entspricht nicht unbedingt der tatsächlichen Leistung. Schnelle Antworten auf Nachrichten vermitteln zwar das Gefühl, viel erledigt zu haben, können aber die Fertigstellungszeit und die Fehlerquote bei den zentralen Arbeitsergebnissen verschlechtern.

Bei Tätigkeiten wie sicherem Fahren, medizinischen Entscheidungen oder Finanzprüfungen, bei denen bereits ein einziges Versäumnis große Verluste verursachen kann, sind Genauigkeit und Situationsbewusstsein wichtiger als Geschwindigkeit. In solchen Fällen ist Multitasking nicht nur ein Produktivitätsproblem, sondern ein Sicherheitsproblem.

## Wie sind häufig zitierte Zahlen zu interpretieren?

Bei Erklärungen zu Multitasking werden häufig konkrete Zahlen genannt, doch mitunter verändern sich dabei der ursprünglich gemessene Gegenstand und dessen Darstellung.

### Die Behauptung, man werde „alle 11 Minuten unterbrochen“

Feldbeobachtungsstudien haben berichtet, dass Wissensarbeiter nur kurze Zeit bei einem Projekt bleiben und es beträchtliche Zeit dauern kann, bis sie zu einem unterbrochenen Projekt zurückkehren. Es ist jedoch ungenau, dies als allgemeingültiges Gesetz darzustellen, wonach alle Beschäftigten genau alle 11 Minuten **von anderen Personen** unterbrochen werden.

Zu den in Studien beobachteten Wechseln können neben E-Mails, Telefonanrufen und Anfragen von Kollegen auch selbst ausgelöste Unterbrechungen gehören, bei denen man aus eigenem Antrieb etwas anderes prüft. Die Ergebnisse unterscheiden sich zudem je nach Tätigkeit, Organisation und Messmethode.

### Die Behauptung, es dauere „25 Minuten, die Konzentration wiederzuerlangen“

Die weithin bekannte Zeitangabe für die Rückkehr sollte in dem Kontext verstanden werden, dass sie die Zeit bezeichnet, die mit anderen Aktivitäten verbracht wird, bevor man zum ursprünglichen Projekt zurückkehrt; die konkrete Zahl muss in der Originalstudie überprüft werden. Sie bedeutet nicht, dass das Gehirn nach jeder kurzen Benachrichtigung für einen festgelegten Zeitraum seine Funktionsfähigkeit nicht wiedererlangt; die konkrete Zeit muss in der Originalstudie überprüft werden.

Die Rückkehrzeit hängt von der Komplexität der Aufgabe, dem Inhalt der Unterbrechung, der Dringlichkeit, den hinterlassenen Notizen und der Arbeitsumgebung ab. Daher ist es angemessener, sich statt auf eine feste Erholungszeit auf die nach einer Unterbrechung entstehenden Umwege und die Kosten der Kontextwiederherstellung zu konzentrieren.

### Die Behauptung, „28% der Arbeitszeit würden verschwendet“

Die Zahl 28% wird in vielen Texten wiederholt, lässt sich jedoch schwer als etablierter wissenschaftlicher Durchschnitt behandeln, der für alle Beschäftigten gilt. Sind die untersuchte Gruppe, die Definition eines Wechsels und die Methode zur Kostenschätzung nicht eindeutig, kann keine genaue persönliche Verlustrate berechnet werden.

Für Organisationen ist es sinnvoller, die folgenden Punkte direkt zu messen, statt einen einzelnen externen Prozentsatz anzuwenden.

- Anzahl der während konzentrierter Arbeit auftretenden Wechsel
- Anteil ungeplanter Nachrichten und Besprechungen
- Zeit, die nach einer Unterbrechung für die Rückkehr zur ursprünglichen Aufgabe benötigt wird
- Häufigkeit von Nacharbeiten und Versäumnissen
- Tatsächliche Fertigstellungszeit der zentralen Arbeitsergebnisse

## Warum Multitasking attraktiv erscheint

Multitasking kann ineffizient sein und dennoch ein unmittelbares Erfolgserlebnis vermitteln. Einfach abzuschließende Handlungen wie das Löschen von E-Mails, das Prüfen von Benachrichtigungen oder kurze Antworten machen Fortschritt sichtbar. Bei tiefgehender Arbeit wie Analysen oder dem Verfassen von Texten bleiben Ergebnisse dagegen lange Zeit unsichtbar.

Auch die Belohnungserwartung und die Unsicherheit, die mit neuen Informationen verbunden sind, können wiederholtes Nachsehen verstärken. Dies schlicht mit der Aussage zu erklären, beim Wechseln des Bildschirms werde Dopamin ausgeschüttet und mache abhängig, wäre jedoch eine neurowissenschaftliche Überinterpretation. Komplexe Gewohnheiten bei der Nutzung digitaler Medien oder eine klinische Abhängigkeit lassen sich nicht allein durch einen bestimmten Neurotransmitter erklären.

Studien zum Medien-Multitasking haben gezeigt, dass Gruppen, die häufig mehrere Medien parallel nutzen, bei Aufgaben zur Filterung störender Informationen schlechter abschnitten. Ob dieser beobachtete Zusammenhang jedoch durch Multitasking verursacht wird oder ob Menschen mit von vornherein anderen Aufmerksamkeitsmerkmalen häufiger Multitasking betreiben, ist eine andere Frage. Da auch die Ergebnisse nachfolgender Studien je nach Messmethode uneinheitlich sind, darf kein eindeutiger Kausalzusammenhang behauptet werden.

## Nicht jede parallele Tätigkeit ist schlecht

Multitasking zu reduzieren bedeutet nicht, dass man den ganzen Tag nur eine Art von Arbeit erledigen darf. Unter den folgenden Bedingungen kann paralleles Arbeiten vergleichsweise effizient sein.

- Wenn eine der Aktivitäten ausreichend automatisiert ist
- Wenn es Wartezeiten gibt, in denen kein menschliches Eingreifen erforderlich ist, etwa bei der Systemverarbeitung oder einem Download
- Wenn die beiden Aktivitäten nicht stark um denselben Sinneskanal und dasselbe Arbeitsgedächtnis konkurrieren
- Wenn keine sofortige und genaue Entscheidung erforderlich ist
- Wenn Fehler nur geringe Auswirkungen auf Sicherheit und Kosten haben

Dagegen steigt das Interferenzrisiko, wenn beide Aufgaben Sprachverständnis und Urteilsvermögen erfordern, etwa beim Lesen von Nachrichten während des Fahrens, beim Verfassen eines komplexen Dokuments während einer Besprechung oder beim Treffen separater Entscheidungen während eines Kundengesprächs.

Entscheidend ist nicht, **ob zwei Dinge gleichzeitig getan wurden**, sondern **wie stark die beiden Aufgaben um dieselben kognitiven Ressourcen konkurrieren**.

## Vor der persönlichen Konzentrationsfähigkeit sollte das Arbeitssystem geprüft werden

Wird das Multitasking-Problem ausschließlich als Versagen des persönlichen Selbstmanagements erklärt, übersieht man leicht die von der Organisation verursachten Unterbrechungen. Eine Kultur, die verzögerte Antworten grundsätzlich als mangelnde Gewissenhaftigkeit betrachtet, zwecklose Besprechungen, über mehrere Kanäle doppelt übermittelte Anfragen und unklare Prioritäten erhöhen Aufgabenwechsel auf strukturelle Weise.

### Methoden für Einzelpersonen

1. Ein zentrales Arbeitsergebnis für den Tag festlegen und die Kriterien für dessen Fertigstellung in einem Satz notieren.
2. Während konzentrierter Arbeitsphasen feste Zeiten für die Prüfung von Messenger-Nachrichten und E-Mails einplanen.
3. Neue Anfragen nicht sofort bearbeiten, sondern in einer zentralen Sammelliste festhalten.
4. Wenn eine Aufgabe unterbrochen werden muss, den aktuellen Stand und den nächsten Handlungsschritt kurz notieren.
5. Die Leistung nicht anhand der geschäftig verbrachten Zeit, sondern anhand von Fertigstellungszeit, Fehlern und Nacharbeiten überprüfen.

### Änderungen, die Organisationen vornehmen können

- Einen Kanal für dringende Anfragen und Kriterien für deren Dringlichkeit festlegen.
- Zeiträume, in denen eine sofortige Antwort erforderlich ist, von Zeiträumen unterscheiden, in denen asynchron geantwortet werden kann.
- Die Anzahl gleichzeitig laufender Aufgaben begrenzen.
- Personen, deren Teilnahme an einer Besprechung nicht erforderlich ist, ein Protokoll zur Verfügung stellen.
- Benachrichtigungen nicht dem individuellen Willen überlassen, sondern grundlegende Richtlinien auf Teamebene einführen.
- Für Tätigkeiten, die konzentrierte Arbeitszeit erfordern, besprechungsfreie Zeiträume gewährleisten.

## Bessere Fragen zur Bewertung von Multitasking

Die Frage „Bin ich gut im Multitasking?“ ist subjektiv. Mit den folgenden Fragen lassen sich die Kosten konkreter beurteilen.

- Wie verändern sich Bearbeitungsgeschwindigkeit und Fehlerquote vor und nach einem Wechsel?
- Was muss nach einer Unterbrechung erneut gelesen werden, um den ursprünglichen Kontext wiederherzustellen?
- Werden selbst Anfragen, die keine sofortige Antwort erfordern, in Echtzeit bearbeitet?
- Nimmt durch das Beginnen mehrerer Aufgaben die Zahl der nicht abgeschlossenen Arbeiten zu?
- Beanspruchen die beiden parallel ausgeführten Aufgaben dieselben Ressourcen für Sprache, visuelle Wahrnehmung, Gedächtnis und Urteilsvermögen?
- Wird der Wechsel durch externe Anfragen oder durch gewohnheitsmäßige Selbstunterbrechungen verursacht?

Das Problem des Multitaskings besteht nicht nur darin, dass grundsätzlich zu wenig Zeit vorhanden ist. Es liegt in einer Arbeitsweise, die darauf ausgelegt ist, innerhalb begrenzter Zeit zu viele Ziele gleichzeitig zu aktivieren und wiederholt zwischen ihnen zu wechseln. Wurde eine wichtige Aufgabe festgelegt, sollte die Konzentration nicht allein durch persönliche Entschlossenheit geschützt werden. Stattdessen müssen zugleich eine Umgebung und betriebliche Regeln geschaffen werden, die diese Aufgabe nicht beeinträchtigen.

## FAQ

### Können Menschen wirklich nicht zwei Dinge gleichzeitig tun?
Automatisierte Handlungen wie Gehen und kontrollierte Handlungen wie ein Gespräch können gleichzeitig ausgeführt werden. Wenn jedoch beide Aufgaben Sprachverständnis, Arbeitsgedächtnis und Urteilsvermögen erfordern, konkurrieren sie um die Aufmerksamkeit, sodass meist ein schneller Aufgabenwechsel stattfindet und Geschwindigkeit oder Genauigkeit abnehmen.

### Wie unterscheiden sich Multitasking und Aufgabenwechsel?
Multitasking ist ein weiter Begriff dafür, dass mehrere Aktivitäten im selben Zeitraum stattfinden. Beim Aufgabenwechsel werden die Regeln und Ziele einer Aufgabe losgelassen und der Kontext einer anderen Aufgabe aktiviert; ein erheblicher Teil dessen, was bei Büroarbeit als Multitasking bezeichnet wird, fällt darunter.

### Was sind Aufgabenwechselkosten?
Damit sind die zusätzliche Zeit und kognitive Belastung gemeint, die erforderlich sind, um die Regeln der vorherigen Aufgabe zu unterdrücken und die Ziele und Informationen der neuen Aufgabe abzurufen. Sie lassen sich daran messen, dass Reaktionen beim Wechsel langsamer werden oder mehr Fehler auftreten als bei der Wiederholung einer Aufgabe.

### Muss man die konkrete Zeit, die es nach einer Unterbrechung braucht, um die Konzentration wiederzuerlangen, in der Originalstudie nachprüfen?
Nein. Die häufig zitierte Zeit bis zur Rückkehr bezieht sich auf die durchschnittliche Zeit, die in einer bestimmten Feldstudie mit anderen Aktivitäten verbracht wurde, bevor man zu einem unterbrochenen Projekt zurückkehrte; die konkrete Zahl muss in der Originalstudie nachgeprüft werden. Es handelt sich nicht um ein biologisches Gesetz, nach dem nach jeder Benachrichtigung exakt dieselbe Erholungszeit erforderlich ist.

### Stimmt es, dass durch Multitasking 28 % der Arbeitszeit verloren gehen?
Es ist schwierig, dies als etablierten universellen Durchschnitt anzusehen, der für alle Beschäftigten gilt. Um diesen Prozentsatz anzuwenden, müssen die untersuchte Gruppe, die Definition eines Wechsels und die Methode zur Kostenschätzung geprüft werden; besser ist es, in jeder Organisation die Zahl der Wechsel, die Rückkehrzeit, Fehler und Nacharbeiten direkt zu messen.

### Ist das häufige Wechseln zwischen Bildschirmen oder Apps eine Dopaminsucht?
Neue Informationen und die Erwartung einer Belohnung können wiederholtes Kontrollverhalten zwar verstärken, doch es ist eine übermäßige Vereinfachung, dies allein mit Dopamin zu erklären oder unmittelbar als klinische Sucht zu bezeichnen. Der Verlust der Nutzungskontrolle und eine Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen müssen gesondert beurteilt werden.

### Ist auch das Arbeiten beim Musikhören Multitasking?
Im weiteren Sinne handelt es sich um die parallele Ausübung zweier Aktivitäten. Musik mit Text kann beim Lesen oder Schreiben um sprachliche Ressourcen konkurrieren, während vertraute Hintergrundmusik bei einfachen, sich wiederholenden Aufgaben weniger störend sein kann. Die Beurteilung sollte sich nach der Art der Aufgabe und der tatsächlichen individuellen Fehlerquote richten.

### Was ist die praktikabelste Methode, um Multitasking zu reduzieren?
Praktikabel ist es, die Zahl der zentralen Ergebnisse, an denen gleichzeitig gearbeitet wird, zu begrenzen, feste Zeiten für das Prüfen von Messenger und E-Mails vorzusehen und vor einer Unterbrechung den aktuellen Stand sowie den nächsten Handlungsschritt festzuhalten. Auf Organisationsebene müssen dringende Kommunikationskanäle und Vorgaben für Reaktionszeiten klar definiert werden.

## Sources

- [Multitasking: Wechselkosten](https://www.apa.org/topics/research/multitasking)
- [Exekutive Kontrolle kognitiver Prozesse beim Aufgabenwechsel](https://doi.org/10.1037/0096-1523.27.4.763)
- [Keine Aufgabe zurückgelassen? Eine Untersuchung der Natur fragmentierter Arbeit](https://doi.org/10.1145/1054972.1055017)
- [Warum ist es so schwer, meine Arbeit zu erledigen? Die Herausforderung von Aufmerksamkeitsrückständen beim Wechsel zwischen Arbeitsaufgaben](https://doi.org/10.1016/j.obhdp.2009.04.002)
- [Kognitive Kontrolle bei Medien-Multitaskern](https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0903620106)
- [Geist und Gehirn von Medien-Multitaskern: Aktuelle Erkenntnisse und zukünftige Forschungsrichtungen](https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1611612115)

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