---
title: "Das erste FOMC-Protokoll unter Vorsitz von Warsh: Warum der US-Zinspfad wieder unsicher ist"
locale: de
category: report
category_name: "Bericht"
translation_status: reviewed
license: cc_by
author: "injoys"
source_url: https://injoys.com/en/articles/warsh-first-fomc-minutes-us-rate-path-uncertainty
published_at: 2026-07-10T15:41:41+09:00
---

# Das erste FOMC-Protokoll unter Vorsitz von Warsh: Warum der US-Zinspfad wieder unsicher ist

> Das am 8. Juli 2026 veröffentlichte Protokoll der FOMC-Sitzung vom 16. bis 17. Juni zeigt, dass innerhalb der Fed große Meinungsunterschiede über die Inflationsaussichten und den künftigen Zinspfad bestanden. Energie, Zölle und der AI-Investitionsboom sind wichtige Inflationsfaktoren, während CPI, PCE und Beschäftigungsdaten vor der nächsten Sitzung die zentralen Entscheidungsgrundlagen für das FOMC im Juli bilden.

## Key Points

- Das Juni-FOMC-Protokoll zeigt ein geldpolitisches Umfeld, in dem weder unveränderte Zinsen noch weitere Erhöhungen oder künftige Senkungen vollständig ausgeschlossen sind.
- Energiepreise, Zölle und der AI-Investitionsboom können die Inflationsbeurteilung jeweils über Kostendruck, steigende relative Preise sowie Nachfrage- und Produktivitätskanäle beeinflussen.
- Das Dot Plot der Fed ist keine Zusage, sondern eine bedingte Prognose der einzelnen Mitglieder; Marktzinsen, Renditen von US-Staatsanleihen und der Dollar können andere Informationen widerspiegeln.
- Vor der nächsten FOMC-Sitzung am 28. bis 29. Juli sind CPI, PCE-Preisindex und Beschäftigungsdaten die wichtigsten Daten für eine Neubewertung des Zinspfads.
- Die Unsicherheit über die US-Zinsen wirkt sich zugleich auf Hypothekenzinsen, Kapitalströme in Schwellenländer und die Bewertungen von Technologieaktien aus.

## Überblick

Die US-Notenbank veröffentlichte am 8. Juli 2026 das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), die am 16.–17. Juni stattgefunden hatte. Berichten von AP und Axios zufolge waren die Mitglieder hinsichtlich der Inflationsaussichten und des künftigen Zinspfads deutlich gespalten. Dadurch wurde das erste FOMC-Protokoll unter dem Vorsitz von Warsh nicht nur zu einer einfachen Sitzungsaufzeichnung, sondern zu einem Schlüsseldokument für das Verständnis der Unsicherheit über die US-Geldpolitik in der zweiten Hälfte des Jahres 2026.

Das Protokoll ist eine zusammengefasste Aufzeichnung der geldpolitischen Beratungen. Es handelt sich nicht um eine wortgetreue Mitschrift sämtlicher Äußerungen. Es ist jedoch hilfreich, um zu erkennen, welche Risiken die US-Notenbank für wichtig hält, worin sich Mehrheits- und Minderheitsmeinungen unterschieden und welche Daten bei der nächsten Sitzung entscheidend sein werden.

## Die zentrale Bedeutung dieses Protokolls

Die Kernaussage dieses Protokolls ist eindeutig: Die US-Notenbank ist in eine Phase eingetreten, in der es für sie schwieriger geworden ist, einen einzigen Zinspfad klar zu signalisieren.

Wenn die Inflation noch nicht als vollständig stabilisiert gelten kann, sind Zinssenkungen riskant. Verstärken sich hingegen die Anzeichen für eine Abschwächung von Beschäftigung und Wachstum, ist es ebenfalls riskant, die Zinsen lange hoch zu halten. Da zugleich Faktoren wie Energiepreise, Zölle und der AI-Investitionsboom wirken, deren Effekte nicht ausschließlich in eine Richtung gehen, dürften die Einschätzungen innerhalb der US-Notenbank weiter auseinandergegangen sein.

### Zusammenfassung in einem Satz

Das FOMC-Protokoll vom Juni zeigt ein geldpolitisches Umfeld mit mehreren Szenarien: Eine Beibehaltung der Zinsen ist der Regelfall, doch bei erneut stärkerem Preisdruck ist eine Erhöhung und bei einer Abschwächung von Konjunktur und Beschäftigung auch eine Senkung möglich.

## Inflationssorgen: Energie, Zölle und AI-Investitionsboom

Beim Lesen des Protokolls ist es wichtig, die Inflationstreiber nicht zusammenzufassen. Energie, Zölle und der AI-Investitionsboom können sich allesamt auf die Preise auswirken, doch ihre Wirkungswege unterscheiden sich.

| Faktor | Wichtigster Wirkungskanal auf die Preise | Frage, auf die die US-Notenbank voraussichtlich besonders achtet |
|---|---|---|
| Energiepreise | Höhere Benzin-, Strom- und Transportkosten, steigende Inflationserwartungen | Handelt es sich um einen vorübergehenden Schock oder greift er auf Dienstleistungspreise und Löhne über? |
| Zölle | Höhere Importpreise, steigende Unternehmenskosten, Weitergabe an Verbraucher | Handelt es sich um eine einmalige Anpassung der relativen Preise oder um breiten Preisdruck? |
| AI-Investitionsboom | Steigende Nachfrage nach Rechenzentren, Strom, Halbleitern und Ausrüstung, mögliche Engpässe in einzelnen Bereichen | Ist der kurzfristige Nachfragedruck größer oder die mittelfristige Produktivitätssteigerung? |

### Energiepreise: Entscheidend ist, ob es sich um einen vorübergehenden Schock oder um Zweitrundeneffekte handelt

Steigende Energiepreise sind der Preisfaktor, den Verbraucher am schnellsten wahrnehmen. Für die Einschätzung der US-Notenbank sind jedoch die Zweitrundeneffekte wichtiger als die Energiepreise selbst. Wenn sich der Anstieg auf Transportkosten, Stromkosten, Unternehmenskosten, Lohnverhandlungen und Inflationserwartungen ausweitet, steigt die Notwendigkeit einer geldpolitischen Reaktion.

Bleibt der Anstieg der Energiepreise dagegen vorübergehend und greift nicht auf die Kerninflation über, könnte die US-Notenbank es vorziehen, weitere Daten abzuwarten, anstatt ihn direkt durch geldpolitische Maßnahmen auszugleichen.

### Zölle: Unterscheidung zwischen einem Anstieg des Preisniveaus und anhaltender Inflation

Zölle können die Preise von Importwaren erhöhen und den Margendruck auf Unternehmen verstärken. Sie führen jedoch nicht immer zu anhaltender Inflation. Bleibt es bei einer einmaligen Anpassung des Preisniveaus, könnte die geldpolitische Reaktion begrenzt ausfallen.

Die US-Notenbank achtet auf folgende Punkte:

- In welchem Umfang geben Unternehmen die Zollkosten an die Verbraucherpreise weiter?
- Bleibt die Weitergabe auf bestimmte Waren beschränkt oder weitet sie sich auf ein breites Warenspektrum aus?
- Beeinflusst der Zollschock die Inflationserwartungen und Lohnverhandlungen?
- Verhindert eine Abschwächung des Konsums die Weitergabe der Kosten?

### AI-Investitionsboom: Preistreibende und produktivitätssteigernde Faktoren bestehen nebeneinander

Der AI-Investitionsboom ist der am schwierigsten zu interpretierende Faktor. Kurzfristig erhöht er die Nachfrage nach Rechenzentren, Halbleitern, Stromnetzen, Kühlsystemen und Bauinvestitionen und kann dadurch in einigen Bereichen Preis- und Lohndruck erzeugen. Insbesondere wenn es bei der Stromversorgung oder bestimmten Ausrüstungen zu Engpässen kommt, kann der Kostendruck zunehmen.

Wenn AI mittelfristig jedoch die Produktivität erhöht, könnte dies die Lohnstückkosten senken, das Potenzialwachstum steigern und den Preisdruck mildern. Aus Sicht der US-Notenbank kann der AI-Boom daher nicht einfach nur als Inflationstreiber betrachtet werden. Sie muss unterscheiden, welcher Effekt stärker ist: die „kurzfristige Überhitzung der Nachfrage“ oder die „mittelfristige Verbesserung der Angebotskapazitäten“.

## Warum die Szenarien Beibehaltung, Erhöhung und Senkung gleichzeitig möglich bleiben

Üblicherweise versucht der Markt, den nächsten Schritt nach einer FOMC-Sitzung auf eine der drei Optionen „Erhöhung“, „Beibehaltung“ oder „Senkung“ zu reduzieren. Dieses Protokoll zeigt jedoch, dass alle drei Wege unter bestimmten Bedingungen offenbleiben.

| Szenario | Voraussetzungen | Signal an den Markt |
|---|---|---|
| Beibehaltung | Gemischte Daten, bei denen die Inflation beunruhigt, zugleich aber auch eine Abkühlung der Beschäftigung erkennbar ist | Signal, dass die US-Notenbank weitere Informationen abwartet |
| Erhöhung | CPI und PCE beschleunigen sich erneut und die Inflationserwartungen geraten ins Wanken | Vorrang für Preisstabilität, Aufwärtsdruck auf langfristige Zinsen |
| Senkung | Die Beschäftigung schwächt sich rasch ab und der Rückgang der Inflation wird erneut bestätigt | Reaktion auf konjunkturelle Abwärtsrisiken, Abwärtsdruck auf kurzfristige Zinsen |

### 1. Szenario einer Beibehaltung

Eine Beibehaltung bedeutet nicht, „nichts zu tun“. Wenn der Leitzins bereits als restriktiv eingeschätzt wird, ist die Beibehaltung eine Entscheidung, mehr Zeit zu geben, damit die straffende Wirkung weiterhin auf die Wirtschaft durchschlägt. Wenn Preis- und Beschäftigungsdaten in unterschiedliche Richtungen weisen, ist sie die naheliegendste Option.

### 2. Szenario einer Erhöhung

Das Szenario einer Zinserhöhung gewinnt an Bedeutung, wenn sich der Preisdruck erneut auf breiter Basis verstärkt. Gibt es insbesondere Anzeichen dafür, dass Zoll- und Energieschocks auf die Preise von Kerndienstleistungen, Löhne und Inflationserwartungen übergreifen, könnte die US-Notenbank zur Wahrung ihrer Glaubwürdigkeit eine weitere Straffung erwägen.

### 3. Szenario einer Senkung

Das Szenario einer Zinssenkung rückt in den Vordergrund, wenn sich der Arbeitsmarkt rasch abschwächt oder die Kreditbedingungen übermäßig restriktiv werden. Ist die Zuversicht gering, dass sich die Inflation dem Ziel ausreichend angenähert hat, muss die US-Notenbank jedoch das Risiko berücksichtigen, dass eine verfrühte Senkung die Inflation erneut anfachen könnte.

## Wie Punktdiagramm, Marktzinsen, Staatsanleiherenditen und Dollar gemeinsam zu lesen sind

Wer seine Zinsprognose allein auf das Protokoll der US-Notenbank stützt, erhält ein unvollständiges Bild. Punktdiagramm, Marktzinsen, Staatsanleiherenditen und Dollar enthalten jeweils unterschiedliche Informationen.

### Interpretationsrahmen für die wichtigsten Indikatoren

| Indikator | Was zeigt er? | Was ist zu beachten? |
|---|---|---|
| Punktdiagramm der US-Notenbank | Bedingte Prognosen der FOMC-Teilnehmer für den Leitzins | Kein Versprechen; kann bei veränderten Daten rasch angepasst werden |
| Kurzfristige Marktzinsen und Zinsfutures | Vom Markt eingepreiste Erwartungen an den künftigen Leitzins | Werden von Risikoprämien und Positionierung beeinflusst |
| Renditen von US-Staatsanleihen | Erwartete kurzfristige Zinsen, Laufzeitprämien sowie Wachstums- und Inflationsaussichten | Langfristige Zinsen bewegen sich nicht allein aufgrund der Leitzinsprognose |
| Dollar | Zinsdifferenzen, Risikoaversion, relative Wachstumsstärke und Liquiditätsnachfrage | Bei hoher Risikobereitschaft kann sich die Richtung trotz hoher Zinsen ändern |

### Das Punktdiagramm ist keine „Ankündigung“, sondern eine „bedingte Prognose“

Das Punktdiagramm zeigt das Leitzinsniveau, das jedes Mitglied für angemessen hält. Es ist jedoch kein offizielles Versprechen. Wenn sich Inflation, Beschäftigung, Finanzierungsbedingungen oder globale Schocks verändern, ändert sich auch das Punktdiagramm. Daher sollte man nicht nur den Median betrachten, sondern auch, wie breit die Verteilung ist und ob sie sich gegenüber der vorherigen Sitzung nach oben oder unten verschoben hat.

### Staatsanleiherenditen spiegeln nicht nur die Leitzinsprognose wider

Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen reagiert im Allgemeinen empfindlich auf die kurzfristigen Leitzinsaussichten. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen berücksichtigt dagegen auch das langfristige Wachstum, die langfristige Inflation, das Haushaltsdefizit, Angebot und Nachfrage bei Staatsanleihen sowie die Laufzeitprämie. Deshalb können langfristige Zinsen steigen, selbst wenn die US-Notenbank eine Beibehaltung signalisiert. Umgekehrt können sie weniger stark sinken, obwohl Erwartungen an Zinssenkungen entstehen.

### Der Dollar ist eine Funktion von Zinsdifferenzen und Risikostimmung

Relativ hohe US-Zinsen stärken tendenziell den Dollar. Der Dollar wird jedoch nicht allein von den Zinsen beeinflusst. Wenn die globale Risikoaversion zunimmt, kann er aufgrund der Nachfrage nach sicheren Anlagen an Wert gewinnen. Wachsen hingegen die Sorgen über eine Abschwächung der US-Konjunktur, kann er zusammen mit steigenden Erwartungen an Zinssenkungen schwächer werden.

## Vor der nächsten FOMC-Sitzung zu prüfende Indikatoren

Die nächste reguläre FOMC-Sitzung ist für den 28.–29. Juli 2026 angesetzt. Bis dahin wird der Markt anhand von Inflations- und Beschäftigungsdaten feststellen wollen, in welche Richtung sich die im Juni-Protokoll dokumentierte Debatte entwickelt.

| Indikator | Warum ist er wichtig? | Kern der Interpretation durch die US-Notenbank |
|---|---|---|
| CPI | Repräsentativer Preisindikator, den Verbraucher unmittelbar wahrnehmen | Ob sich Preisanstiege bei Wohnkosten, Dienstleistungen, Energie und zollsensiblen Waren ausweiten |
| PCE-Preisindex | Von der US-Notenbank besonders beachteter Inflationsindikator | Monatliche Steigerungsrate des Kern-PCE und annualisierter Trend |
| Beschäftigungsbericht | Beurteilung einer Abkühlung oder Überhitzung des Arbeitsmarkts | Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft, Arbeitslosenquote, Lohnwachstum und Erwerbsquote |
| Konsum- und Wachstumsindikatoren | Ermittlung der realwirtschaftlichen Auswirkungen hoher Zinsen | Ob die Nachfrageschwäche die Inflation senkt oder das Rezessionsrisiko erhöht |
| Finanzierungsbedingungen | Gesamtwirkung von Zinsen, Krediten, Aktienkursen und Dollar | Ob eine Lockerung an den Märkten den Preisdruck erneut verstärkt |

### Worauf beim CPI zu achten ist

Wichtiger als der Gesamt-CPI ist seine Zusammensetzung. Entscheidend ist, ob lediglich die Energiepreise sprunghaft gestiegen sind, ob Wohnkosten und Dienstleistungspreise weiterhin stark zulegen und ob sich die Preissteigerungen bei von Zöllen betroffenen Waren ausweiten.

### Worauf beim PCE zu achten ist

Der PCE-Preisindex ist ein Indikator, dem die US-Notenbank bei ihrem langfristigen Ziel und ihren geldpolitischen Entscheidungen große Bedeutung beimisst. Besonders wichtig ist, ob die monatliche Steigerungsrate des Kern-PCE wieder zunimmt oder ob der rückläufige Trend anhält.

### Worauf bei der Beschäftigung zu achten ist

Das Doppelmandat der US-Notenbank umfasst Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Verlangsamt sich das Beschäftigungswachstum lediglich allmählich, könnten die Argumente für eine Beibehaltung stärker werden. Steigt die Arbeitslosenquote jedoch rasch und schwächt sich das Lohnwachstum ab, könnte die Debatte über Zinssenkungen an Dynamik gewinnen.

## Auswirkungen auf Märkte und Realwirtschaft

Die Unsicherheit über die US-Zinsen bleibt nicht auf die USA beschränkt. Wenn die Dollarzinsen und die Renditen von US-Staatsanleihen als globale Referenzpreise schwanken, breiten sich die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, Schwellenländer, Technologieaktien und Wechselkurse insgesamt aus.

### Hypothekendarlehen

Die US-Hypothekenzinsen sind direkter mit den langfristigen Staatsanleiherenditen und den Hypothekenspreads verbunden als mit dem Leitzins. Ist der Zinspfad unsicher, nimmt die Volatilität der Kreditzinsen zu, und Immobilienkäufer können ihre monatlichen Rückzahlungen schwerer vorhersehen. Dies kann auch die Zahl der Immobilientransaktionen und die Preise belasten.

### Kapitalströme in Schwellenländern

Bleiben die US-Zinsen hoch oder wird der Dollar stärker, kann der Kapitalabflussdruck auf Schwellenländer zunehmen. Länder und Unternehmen mit hohen Dollar-Schulden können gleichzeitig durch höhere Zinskosten und Wechselkursbelastungen unter Druck geraten. Verstärken sich dagegen die Erwartungen an US-Zinssenkungen, kann dies ein günstigeres Umfeld für Währungen und Anleihemärkte der Schwellenländer schaffen.

### Bewertung von Technologieaktien

Technologieaktien reagieren empfindlich auf Veränderungen des Diskontsatzes, weil ihre Bewertung stark von erwarteten künftigen Cashflows abhängt. Steigen die langfristigen Zinsen, sinkt der Barwert weit in der Zukunft liegender Gewinne, wodurch der Bewertungsdruck zunimmt. Insbesondere AI-Aktien profitieren einerseits vom Investitionsboom, sind andererseits aber auch durch hohe Investitionsausgaben und höhere Diskontsätze infolge steigender Zinsen belastet.

## Checkliste für Anleger und geldpolitische Beobachter

Bis zur nächsten FOMC-Sitzung ist das Management bedingter Szenarien wichtiger als eine einzelne Prognose.

- Es ist zu unterscheiden, ob Inflationsdaten nur einen Monat lang anziehen oder ob sich der Trend über mindestens 3 Monate verändert.
- Bei CPI und PCE sind statt der Gesamtwerte die Kerndienstleistungen, Wohnkosten und lohnbezogenen Komponenten zu prüfen.
- Es ist zu beobachten, ob sich die Renditen zwei- und zehnjähriger Staatsanleihen in dieselbe Richtung bewegen und wie sich die Zinsstrukturkurve verändert.
- Es ist zu unterscheiden, ob ein stärkerer Dollar auf Zinsdifferenzen oder auf Risikoaversion zurückzuführen ist.
- Bei steigenden Technologieaktien ist zu unterscheiden, ob dies auf verbesserte Gewinnaussichten oder auf Erwartungen sinkender Diskontsätze zurückgeht.
- Bei Anlagen in Schwellenländern sind neben den US-Zinsen auch die Devisenreserven, die Leistungsbilanz und die Struktur der Dollar-Schulden des jeweiligen Landes zu berücksichtigen.

## Fazit

Das FOMC-Protokoll vom Juni 2026 legt sich nicht auf die anfängliche geldpolitische Ausrichtung unter dem Vorsitz von Warsh fest, sondern zeigt vielmehr, wie komplex die Gratwanderung ist, vor der die US-Notenbank steht. Bei der Inflation ist noch keine Entwarnung möglich, während Wachstum und Beschäftigung die Auswirkungen der hohen Zinsen zunehmend widerspiegeln könnten. Energie, Zölle und der AI-Investitionsboom erschweren die Beurteilung der Inflation zusätzlich.

Die entscheidende Frage vor der FOMC-Sitzung im Juli lautet daher nicht: „Wann wird die US-Notenbank handeln?“, sondern: „Welche Datenkombination wird die US-Notenbank zum Handeln bewegen?“ Wenn sich CPI, PCE und Beschäftigungsindikatoren in dieselbe Richtung bewegen, können die Zinserwartungen des Marktes rasch neu eingepreist werden. Widersprechen sich die Daten dagegen, dürften eine länger anhaltende Beibehaltung der Zinsen und hohe Volatilität zum Basisszenario werden.

## FAQ

### Ist das FOMC-Protokoll ein Dokument, das die Entscheidung über den Leitzins vorwegnimmt?
Das Protokoll ist keine Vorankündigung, sondern eine Aufzeichnung, die die bei der Sitzung erörterten wirtschaftlichen Einschätzungen und geldpolitischen Risiken zusammenfasst. Da es jedoch zeigt, welchen Indikatoren und Risiken die Mitglieder besondere Bedeutung beimessen, ist es hilfreich, um die Bedingungen für die nächste Zinsentscheidung zu verstehen.

### Warum wird der Zinspfad in diesem Protokoll als unsicher eingeschätzt?
Weil einerseits schwer davon auszugehen ist, dass sich die Inflation vollständig stabilisiert hat, und andererseits hohe Zinsen Wachstum und Beschäftigung bremsen könnten. Auch schwer zu interpretierende Faktoren wie Energie, Zölle und der AI-Investitionsboom haben die Meinungsunterschiede unter den Mitgliedern vergrößert.

### Ist eine Beibehaltung der Zinsen eine expansive Entscheidung?
Nicht unbedingt. Wenn der Leitzins bereits auf einem restriktiven Niveau liegt, kann die Straffungswirkung auch bei unveränderten Zinsen weiterhin auf die Wirtschaft durchschlagen. Daher kann eine Beibehaltung der Zinsen sowohl Abwarten als auch die Fortsetzung des restriktiven Kurses bedeuten.

### Unter welchen Umständen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen wieder anhebt?
Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung steigt, wenn CPI und PCE wieder deutlich zulegen und sich die Preissteigerungen über Energie oder bestimmte Güter hinaus auf Dienstleistungen, Löhne und Inflationserwartungen ausweiten.

### Unter welchen Umständen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen senkt?
Wenn sich das Beschäftigungswachstum stark verlangsamt, die Arbeitslosenquote steigt und zugleich eine Abschwächung des Preisauftriebs bestätigt wird, könnte die Diskussion über Zinssenkungen an Dynamik gewinnen. Bei instabiler Preisentwicklung sind die Argumente für eine Senkung schwächer.

### Was ist das häufigste Missverständnis bei der Betrachtung des Dot Plots?
Das größte Missverständnis besteht darin, den Dot Plot als Versprechen der Fed zu betrachten. Der Dot Plot zeigt die bedingten Prognosen der einzelnen Mitglieder und kann sich bei veränderten Wirtschaftsdaten bereits in der nächsten Sitzung deutlich ändern.

### Bewegt sich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen allein aufgrund der Leitzinsprognosen?
Nein. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen spiegelt nicht nur die Erwartungen hinsichtlich der künftigen kurzfristigen Zinsen wider, sondern auch die langfristige Inflation, das Wirtschaftswachstum, die Finanzlage des Staates, Angebot und Nachfrage bei Staatsanleihen sowie die Laufzeitprämie.

### Wie wirkt sich die Unsicherheit über die US-Zinsen auf Hypothekendarlehen aus?
Wenn die langfristigen Staatsanleiherenditen und die Hypothekenspreads schwanken, nimmt die Volatilität der Hypothekenzinsen zu. Dies kann sich auf die monatlichen Raten, die Erschwinglichkeit von Wohneigentum und das Transaktionsvolumen auswirken.

### Ist der AI-Investitionsboom ein Inflationstreiber oder ein disinflationärer Faktor?
Er kann beides sein. Kurzfristig kann er die Nachfrage nach Strom, Ausrüstung, Bauleistungen und Halbleitern steigern und dadurch Preisdruck erzeugen. Wenn er mittelfristig jedoch die Produktivität erhöht, kann er den Preisdruck auch verringern.

### Welche Indikatoren sind vor der nächsten FOMC-Sitzung am wichtigsten?
CPI, PCE-Preisindex und Arbeitsmarktbericht sind entscheidend. Besonders wichtig sind die monatliche Entwicklung der Kerninflation, die Dienstleistungspreise, das Lohnwachstum und die Veränderung der Arbeitslosenquote.

## Sources

- [Federal Reserve – Protokoll des Federal Open Market Committee, 16.–17. Juni 2026](https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/fomcminutes20260617.htm)
- [Federal Reserve – FOMC-Kalender, Erklärungen und Protokolle](https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/fomccalendars.htm)
- [Bericht der Associated Press über das FOMC-Protokoll vom Juni 2026](https://apnews.com/article/3ec0b0c2fe05e3833e324fa522a1882a)
- [Axios – Protokoll zu Fed Warsh und Inflationsausblick](https://www.axios.com/2026/07/08/fed-warsh-minutes-inflation)
- [U.S. Bureau of Economic Analysis – Bruttoinlandsprodukt](https://www.bea.gov/data/gdp/gross-domestic-product)

## Images

![Zentralbankgebäude auf einer Waage und in verschiedene Richtungen weisende Pfeile, die mögliche Zinspfade darstellen](https://injoys.com/rails/active_storage/blobs/proxy/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MTIxMCwicHVyIjoiYmxvYl9pZCJ9fQ==--f8ebacd0973a17a928274bb4391b995df73721b6/ai-9e08278f.webp)
![Wirtschaftsillustration mit Wohnungsbau, Welthandel, Halbleitern, Energie und einem Wachstumsdiagramm rund um eine Zinsanzeige](https://injoys.com/rails/active_storage/blobs/proxy/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6MTIxNiwicHVyIjoiYmxvYl9pZCJ9fQ==--3c56667f5c13c1b962697e75188bf740b27e8739/ai-3c5f941f.webp)