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title: "Darf man bei Nierenproblemen nicht gehen? Nutzen und Sicherheitskriterien"
locale: de
category: knowledge_base
category_name: "Wissensdatenbank"
translation_status: reviewed
license: cc_by
author: "injoys"
source_url: https://injoys.com/en/articles/walking-and-chronic-kidney-disease
published_at: 2026-08-13T20:42:15+09:00
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# Darf man bei Nierenproblemen nicht gehen? Nutzen und Sicherheitskriterien

> Gehen ist eine aerobe Aktivität, die den meisten Patienten mit chronischer Nierenkrankheit empfohlen werden kann, aber kein Allheilmittel, das geschädigte Nieren direkt regeneriert. Es kann die körperliche Leistungsfähigkeit, den Blutdruck und die Lebensqualität verbessern; Intensität und Dauer müssen jedoch an den aktuellen Gesundheitszustand angepasst werden.

## Key Points

- Es gibt keine Evidenz dafür, Patienten mit stabiler chronischer Nierenkrankheit das Gehen pauschal zu verbieten; empfohlen wird, Bewegungsmangel zu vermeiden.
- Regelmäßiges Gehen kann die Herz-Lungen-Fitness, den Blutdruck, die Mobilität und die Lebensqualität verbessern, garantiert jedoch keine Erholung der glomerulären Filtrationsrate.
- KDIGO empfiehlt mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität mittlerer Intensität pro Woche, soweit der kardiovaskuläre Zustand und die körperliche Belastbarkeit des Patienten dies zulassen.
- Zu Beginn sollte man kurze Strecken in einem Tempo gehen, bei dem eine Unterhaltung möglich ist, und Dauer sowie Häufigkeit langsam steigern, während Symptome und Erholung beobachtet werden.
- Bei Brustschmerzen, Schwindel mit drohender Ohnmacht oder ungewöhnlich starker Atemnot sollte man sofort aufhören und sich medizinisch untersuchen lassen.

Die Annahme, dass man sich bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht bewegen, sondern schonen sollte, entspricht nicht den allgemeinen Grundsätzen zur Behandlung chronischer Nierenerkrankungen. Bei stabilem Zustand hilft regelmäßige körperliche Aktivität einschließlich Gehen dabei, einem Konditionsverlust vorzubeugen sowie die Herz-Kreislauf-Gesundheit und die Lebensqualität zu verbessern.

Allerdings ist auch die Aussage, **Gehen sei die wirksamste Behandlung, um die Nierenfunktion direkt wiederherzustellen**, nicht korrekt. Gehen ist eine wichtige unterstützende Maßnahme, kann aber Medikamente, die Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker, die Ernährungssteuerung sowie die Behandlung der Grunderkrankung nicht ersetzen.

## Zentrale Einschätzung: Gehen ist hilfreich, aber keine Behandlung zur Regeneration der Nieren

Eine chronische Nierenerkrankung liegt vor, wenn strukturelle oder funktionelle Veränderungen der Nieren mindestens 3 Monate lang bestehen. Bereits geschädigtes oder vernarbtes Nierengewebe lässt sich nicht allein durch Gehen in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen.

Die realistischen Vorteile des Gehens sind:

- Es verbessert die kardiorespiratorische Fitness und Gehfähigkeit.
- Es kann die Kontrolle von Blutdruck und Körpergewicht unterstützen.
- Bei Menschen mit Diabetes kann es zur Blutzuckerkontrolle beitragen.
- Es wirkt dem Abbau der Muskelkraft und langem Sitzen entgegen.
- Es kann Müdigkeit, depressive Stimmung und die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessern.
- Es hilft bei der Kontrolle von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese Veränderungen können dazu beitragen, Risikofaktoren zu verringern, die die Nieren belasten. Die Evidenz reicht jedoch nicht aus, um eindeutig festzustellen, dass die glomeruläre Filtrationsrate nach dem Gehen zwangsläufig steigt oder sich der Beginn einer Dialyse mit Sicherheit verzögert.

## Was sagen Forschung und Behandlungsleitlinien?

Die KDIGO-Leitlinie 2024 zur chronischen Nierenerkrankung empfiehlt **mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität mittlerer Intensität pro Woche**, soweit es der Herz-Kreislauf-Zustand und die körperliche Belastbarkeit des Patienten zulassen. Patienten, denen dieses Ziel schwerfällt, sollten den Aktivitätsumfang an Alter, Begleiterkrankungen, Gebrechlichkeit und Fitness anpassen.

Systematische Übersichtsarbeiten zu Bewegungsstudien zeigen, dass Bewegung bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung die Fitness, den Blutdruck, die körperliche Funktionsfähigkeit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbessern kann. Hinsichtlich langfristiger Ergebnisse wie glomerulärer Filtrationsrate, Krankenhausaufenthalten, kardiovaskulären Ereignissen oder Todesfällen bleiben die Auswirkungen dagegen aufgrund unterschiedlicher Studiengrößen und Methoden teilweise unklar.

| Behauptung | Evidenzgerechte Einordnung |
|---|---|
| Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollte man nicht gehen | Ein generelles Gehverbot wird für Patienten mit stabiler chronischer Nierenerkrankung nicht empfohlen. |
| Gehen stellt die Nierenfunktion wieder her | Es kann Risikofaktoren und Fitness verbessern, garantiert aber keine Erholung geschädigter Nieren. |
| Je mehr man geht, desto besser | Übermäßige Bewegung kann zu Dehydrierung, Stürzen und einer Verschlimmerung von Beschwerden führen und muss daher individuell angepasst werden. |
| Man muss täglich 10.000 Schritte erreichen | Dies ist kein allgemein verbindlicher Richtwert. Eine schrittweise Steigerung gegenüber dem aktuellen Aktivitätsniveau ist realistischer. |
| Dialysepatienten dürfen nicht gehen | Bei stabilem Zustand ist dies häufig möglich, doch Dialyseplan, niedriger Blutdruck und Zustand des Gefäßzugangs müssen berücksichtigt werden. |

## So beginnen Sie sicher mit dem Gehen

### 1. Zuerst den aktuellen Gesundheitszustand prüfen

Wer keine Bewegungserfahrung hat oder an einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung, Herzerkrankung, schwerer Anämie oder wiederkehrendem Schwindel leidet beziehungsweise kürzlich im Krankenhaus war, sollte vor Beginn sicherheitshalber das behandelnde medizinische Personal konsultieren. Dabei sollten nicht nur die angestrebte Dauer, sondern auch Blutdruck, Medikamente, Sturzrisiko und Dialyseplan geklärt werden.

### 2. Mit kurzen, angenehmen Gehstrecken beginnen

Es ist nicht nötig, von Anfang an 150 Minuten pro Woche zu erreichen. Man kann beispielsweise 3- bis 5-mal pro Woche jeweils 5–10 Minuten gehen und die Dauer um jeweils etwa 5 Minuten erhöhen, wenn bis zum nächsten Tag keine starke Müdigkeit oder Schmerzen verbleiben. Es gibt kein festgelegtes Steigerungstempo; gebrechliche Menschen oder Personen mit vielen Beschwerden sollten langsamer vorgehen.

### 3. Eine Intensität wählen, bei der Gespräche möglich sind

Beim Gehen mit mittlerer Intensität wird die Atmung normalerweise etwas schneller, kurze Sätze sind aber weiterhin möglich. Wenn die Atemnot das Weitersprechen erschwert, sollte man langsamer gehen oder pausieren. Beschwerden und Erholungszustand sind wichtiger als das Tempo.

### 4. Aufwärmen und langsames Ausgehen einplanen

In den ersten und letzten 3–5 Minuten sollte man langsamer als gewöhnlich gehen. Rutschfeste Schuhe sowie ein ebener und gut beleuchteter Weg können das Sturzrisiko verringern.

### 5. Dauer und Beschwerden dokumentieren

Die Aufzeichnung von Gehzeit, subjektiv empfundener Intensität, Schwindel, Atemnot, Ödemen und Erholungsdauer hilft dabei, den Aktivitätsumfang ohne Überlastung anzupassen. Die Schrittzahl dient lediglich als Orientierung und ist nicht selbst das Therapieziel.

## Wann das Gehen verschoben und medizinischer Rat eingeholt werden sollte

In den folgenden Situationen sollte man nicht wie gewohnt nach Plan trainieren, sondern zunächst das medizinische Personal konsultieren.

- Bei laufender Behandlung einer akuten Nierenschädigung oder wenn sich der Zustand kürzlich drastisch verändert hat
- Bei instabilen Brustschmerzen oder Herzbeschwerden
- Bei Atemnot selbst in Ruhe oder einer plötzlichen starken Zunahme von Ödemen
- Bei wiederkehrendem niedrigen Blutdruck, Ohnmacht oder starkem Schwindel
- Bei Verdacht auf Dehydrierung infolge von Fieber, Erbrechen, Durchfall oder Ähnlichem
- Wenn das medizinische Personal wegen Untersuchungsergebnissen oder des Behandlungsverlaufs eine Einschränkung der Aktivität angeordnet hat

Treten beim Gehen Brustschmerzen, ein Gefühl drohender Ohnmacht, neu aufgetretene starke Atemnot oder extreme Schwäche mit kaltem Schweiß auf, muss die Aktivität sofort beendet werden. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ist eine notfallmedizinische Behandlung erforderlich.

## Was Dialysepatienten beachten sollten

Auch Hämodialysepatienten können bei stabilem Zustand gehen. Direkt nach der Dialyse können jedoch niedriger Blutdruck, Schwindel und Müdigkeit auftreten, weshalb der Erholungszustand überprüft werden sollte. Bei Schmerzen, Blutungen oder Auffälligkeiten am Gefäßzugang hat die medizinische Abklärung Vorrang vor Bewegung.

Peritonealdialysepatienten müssen den Zustand des Katheters, Bauchbeschwerden und das Risiko eines Leisten- oder Bauchwandbruchs berücksichtigen. Unabhängig vom Dialyseverfahren ist es sicherer, die Trainingszeiten mit dem Dialysezentrum oder dem behandelnden medizinischen Personal abzustimmen.

## Warum die Wirkung von Bewegung nicht allein anhand der glomerulären Filtrationsrate beurteilt werden sollte

Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate ist ein wichtiger Wert zur Beurteilung der Nierenfunktion, kann jedoch durch den Flüssigkeitshaushalt, akute Erkrankungen und Messschwankungen beeinflusst werden. Anhand eines kurzfristigen Anstiegs oder Abfalls lässt sich die Wirkung des Gehens nur schwer beurteilen.

Zur Beurteilung der Bewegungswirkung sollten folgende Punkte gemeinsam betrachtet werden:

- Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker
- Albumin im Urin oder Proteinurie
- Gehzeit und Fähigkeit zur Bewältigung des Alltags
- Veränderungen bei Müdigkeit und Atemnot
- Muskelkraft, Gleichgewicht und Auftreten von Stürzen
- Langfristige Veränderung der glomerulären Filtrationsrate

## Fazit

Gehen ist keine Aktivität, die Menschen mit Nierenerkrankungen meiden sollten, sondern eine grundlegende Maßnahme der Gesundheitsvorsorge, die die meisten stabilen Patienten an ihren eigenen Zustand angepasst nutzen können. Es kann die kardiorespiratorische Fitness, den Blutdruck, die körperliche Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität eindeutig verbessern, regeneriert jedoch kein Nierengewebe und behandelt eine chronische Nierenerkrankung nicht allein.

Daher lautet die korrekte Aussage nicht **Gehen stellt die Nierenfunktion wieder her**, sondern **Gehen kann bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und zur Kontrolle von Risikofaktoren beitragen**.

## FAQ

### Muss ich mit dem Gehen aufhören, wenn meine Nierenfunktion schlecht ist?
Patienten mit stabiler chronischer Nierenkrankheit wird das Gehen nicht pauschal untersagt. Bei einer akuten Nierenschädigung, instabilen Herzbeschwerden, starker Atemnot oder wiederholten Ohnmachtsanfällen sollte die körperliche Aktivität jedoch aufgeschoben und eine ärztliche Beurteilung eingeholt werden.

### Steigt die glomeruläre Filtrationsrate durch Gehen?
Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass Gehen die glomeruläre Filtrationsrate erhöht. Regelmäßige körperliche Aktivität kann Blutdruck, Blutzucker, körperliche Leistungsfähigkeit und kardiovaskuläre Risikofaktoren verbessern, doch die Studien unterscheiden sich hinsichtlich der direkten Auswirkungen auf die Nierenfunktionswerte.

### Wie lange sollten Patienten mit einer Nierenkrankheit täglich gehen?
KDIGO empfiehlt, sofern der körperliche Zustand es zulässt, mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität mittlerer Intensität pro Woche. Nicht alle Patienten müssen dieses Ziel jedoch von Anfang an erreichen. Man kann mit 5–10 Minuten angenehmem Gehen beginnen und die Dauer je nach Beschwerden und Erholungszustand schrittweise steigern.

### Muss ich unbedingt 10.000 Schritte pro Tag gehen?
10.000 Schritte pro Tag sind kein verbindlicher Behandlungsstandard für Patienten mit chronischer Nierenkrankheit. Wichtiger als die Schrittzahl ist es, die körperliche Aktivität ausgehend von der aktuellen Leistungsfähigkeit sicher zu steigern und kontinuierlich beizubehalten.

### Darf ich trotz Proteinurie gehen?
Gehen wird nicht allein wegen einer Proteinurie untersagt. Da jedoch Ursache und Ausmaß der Proteinurie sowie Blutdruck, Ödeme und glomeruläre Filtrationsrate gemeinsam beurteilt werden müssen, sollte der Behandlungsplan des zuständigen medizinischen Personals befolgt werden.

### Darf ich auch bei Ödemen gehen?
Bei leichten und stabilen Ödemen kann nach Anweisung des medizinischen Personals leichte körperliche Aktivität möglich sein. Wenn sich die Ödeme plötzlich verschlimmern, das Gewicht rasch zunimmt oder selbst in Ruhe Atemnot auftritt, hat eine rasche ärztliche Untersuchung Vorrang vor dem Gehen.

### Kann ich auch an Tagen gehen, an denen ich eine Hämodialyse erhalte?
Bei stabilem Zustand kann dies möglich sein, unmittelbar nach der Dialyse können jedoch niedriger Blutdruck, Schwindel und Müdigkeit auftreten. Da der geeignete Zeitpunkt vor oder nach der Dialyse individuell unterschiedlich ist, sollte er mit dem medizinischen Personal der Dialysestation abgestimmt werden.

### Bei welchen Beschwerden während des Gehens muss ich sofort aufhören?
Bei Brustschmerzen, Schwindel mit drohender Ohnmacht, neu aufgetretener starker Atemnot, ungewöhnlichem Herzklopfen oder extremer Schwäche muss sofort aufgehört werden. Sind die Beschwerden stark oder halten sie auch nach einer Ruhepause an, muss eine medizinische Notfallversorgung in Anspruch genommen werden.

## Sources

- [KDIGO 2024 Leitlinie für die klinische Praxis zur Beurteilung und Behandlung chronischer Nierenerkrankungen](https://kdigo.org/wp-content/uploads/2024/03/KDIGO-2024-CKD-Guideline.pdf)
- [Bewegungstraining für Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35544632/)
- [WHO-Faktenblatt zur körperlichen Aktivität](https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/physical-activity)

## Images

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![Menschen auf einem Spazierweg mit Nieren, Schutzschild, Warnsymptomen und einem Arzt](https://injoys.com/rails/active_storage/blobs/proxy/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6NzUxNywicHVyIjoiYmxvYl9pZCJ9fQ==--3e813a8492b22ba64961759ac0e96b6317299448/ai-182ce5d5.webp)