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title: "Hitzewellen sind kein „Wetter“ mehr, sondern eine Gesundheitskrise: Steigende Todesfälle in Europa und globale Hitzestressforschung verstehen"
locale: de
category: report
category_name: "Bericht"
translation_status: reviewed
license: cc_by
author: "injoys"
source_url: https://injoys.com/en/articles/heatwaves-public-health-europe-france-heat-stress
published_at: 2026-07-08T16:24:21+09:00
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# Hitzewellen sind kein „Wetter“ mehr, sondern eine Gesundheitskrise: Steigende Todesfälle in Europa und globale Hitzestressforschung verstehen

> Die Warnung des WHO-Regionalbüros für Europa vom Juli 2026 und Frankreichs Schätzung der Übersterblichkeit zeigen, dass Hitzewellen nicht nur hohe Temperaturen bedeuten, sondern eine Gesundheitskrise darstellen, die gleichzeitig Todesfälle, Arbeitswelt, Gesundheitssysteme und urbane Ungleichheit verschärft. Neben der reinen Lufttemperatur müssen auch die gefühlte Temperatur und Hitzestressindizes wie UTCI berücksichtigt werden, um Frühwarnsysteme, Kühlzentren, angepasste Arbeitszeiten und Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Gruppen präziser zu gestalten.

## Key Points

- Hitzewellen sind ein Risiko für die öffentliche Gesundheit, das gleichzeitig die Sterblichkeit erhöht, chronische Erkrankungen verschlimmert, die Arbeitsproduktivität senkt und Gesundheitssysteme belastet.
- Die Übersterblichkeit ist ein zentraler Indikator, der die Folgen von Hitzewellen umfassender erfasst als die auf Totenscheinen angegebenen direkten Todesursachen.
- Hitzestressindizes wie UTCI berücksichtigen neben der Temperatur auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlungswärme und sind daher für politische Entscheidungen hilfreich.
- Frankreichs Schätzung der Übersterblichkeit während der Hitzewelle im Juni 2026 verdeutlicht die Bedeutung von Frühwarnsystemen und Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Gruppen.
- Je früher die Hitzewellensaison beginnt und je länger sie dauert, desto mehr müssen Versicherungen, Arbeitszeiten, Schulbetrieb und Stadtplanung nach den Maßstäben der Klimaanpassung neu gestaltet werden.

## Warum Hitzewellen nicht als „Wetter“, sondern als Gesundheitskrise betrachtet werden müssen

Hitzewellen bedeuten längst nicht mehr nur sommerliches Unbehagen oder vorübergehende Wetteranomalien. Hohe Temperaturen verschlimmern Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Nierenerkrankungen, Hitzschlag, Dehydrierung und Schlafstörungen und treffen ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, im Freien Beschäftigte, einkommensschwache Menschen, Obdachlose und chronisch Kranke unverhältnismäßig stark. In Städten unterscheiden sich die Risiken selbst bei gleicher Temperatur je nach Stadtviertel erheblich, weil Beton und Asphalt Wärme speichern und dadurch Wärmeinseln entstehen.

Am 7. Juli 2026 warnte das WHO-Regionalbüro für Europa, dass der europäischen Region noch weitere tödliche Hitzewellen-Wochen bevorstehen könnten. Für Frankreich wurde berichtet, dass es im Zusammenhang mit der Hitzewelle vom 22. bis 28. Juni 2026 schätzungsweise 2,025 zusätzliche Todesfälle gegeben habe; zugleich wurde darauf hingewiesen, dass die entsprechenden Daten noch unvollständig seien. Im selben Zeitraum stellten JAMA und ECMWF Forschungstendenzen vor, denen zufolge der globale Hitzestress zunimmt.

Betrachtet man diese Informationen gemeinsam, ist die zentrale Aussage eindeutig: Bei der Reaktion auf Hitzewellen geht es nicht um die Frage „Wie viele Grad werden es morgen?“, sondern um eine gesundheitspolitische Frage: „Wer ist wo, unter welchen Bedingungen und wie stark einer gefährlichen Wärmebelastung ausgesetzt?“

## Zentrale Begriffe im Überblick

| Begriff | Bedeutung | Warum ist er wichtig? |
|---|---|---|
| Hitzewelle | Ein Phänomen, bei dem hohe Temperaturen ab einem bestimmten Schwellenwert über einen bestimmten Zeitraum anhalten | Sie ist der Ausgangspunkt für Warnungen und Maßnahmen in Schulen, Arbeitswelt und Gesundheitswesen. |
| Hitzestress | Ein Zustand physiologischer Belastung, weil der menschliche Körper Wärme nicht ausreichend abgeben kann | Selbst bei gleicher Temperatur unterscheidet sich das Risiko je nach Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung und Aktivitätsniveau. |
| Gefühlte Temperatur | Ein Indikator, der die von Menschen tatsächlich empfundene Wärme oder Kälte abbilden soll | Sie kann Gesundheitsrisiken besser erklären als die reine Lufttemperatur. |
| UTCI | Universal Thermal Climate Index. Ein Indikator, der unter Berücksichtigung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlungswärme die Wärmebelastung des menschlichen Körpers beschreibt | Er eignet sich gut zum Vergleich von Hitzerisiken zwischen Städten und Regionen sowie zur Gestaltung von Frühwarnsystemen. |
| Übersterblichkeit | Ein Schätzwert dafür, um wie viel die tatsächliche Zahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum über der üblicherweise erwarteten Zahl liegt | Sie erfasst umfassend die direkten und indirekten Auswirkungen von Hitzewellen auf die Sterblichkeit. |

## Was die Übersterblichkeit aussagt

Die Folgen von Hitzewellen werden leicht unterschätzt, wenn nur Fälle berücksichtigt werden, bei denen auf dem Totenschein „Hitzschlag“ vermerkt ist. Hohe Temperaturen können bestehende Erkrankungen verschlimmern und dadurch das Sterberisiko auf unterschiedlichen Wegen erhöhen, etwa durch Herzinfarkte, Schlaganfälle, eine Verschlechterung von Atemwegserkrankungen oder Nierenprobleme.

Die Übersterblichkeit gleicht diese Einschränkung aus. Liegt beispielsweise die tatsächliche Zahl der Todesfälle in einer bestimmten Woche deutlich über der für denselben Zeitraum auf Grundlage vergangener Jahre erwarteten Zahl, kann die Differenz als Auswirkung eines bestimmten Ereignisses wie einer Hitzewelle, einer Infektionskrankheit oder einer Katastrophe analysiert werden. Bei der Schätzung der Übersterblichkeit sind jedoch folgende Punkte zu beachten:

- **Datenverzögerung**: Die Registrierung von Todesfällen und die Feststellung ihrer Ursachen benötigen Zeit.
- **Wahl der Basislinie**: Die Schätzung kann davon abhängen, wie die „durchschnittliche Zahl der Todesfälle“ berechnet wird.
- **Gleichzeitige Faktoren**: Infektionskrankheiten, Luftverschmutzung und gesellschaftliche Ereignisse können gleichzeitig eine Rolle gespielt haben.
- **Räumliche Unterschiede**: Ein landesweiter Durchschnitt kann Schäden in besonders gefährdeten Gebieten innerhalb einer Stadt verdecken.

Wenn daher erste Zahlen wie die Schätzung der hitzebedingten Übersterblichkeit in Frankreich im Juni 2026 veröffentlicht werden, muss neben der Zahl selbst geprüft werden, „ob die Daten vollständig sind“, „welcher Zeitraum und welche Region zugrunde gelegt wurden“ und „ob eine Analyse nach gefährdeten Bevölkerungsgruppen vorliegt“.

## Warum Hitzestressindikatoren wichtiger sind als die reine Temperatur

Die Zahl von 35 Grad allein kann das Risiko für den menschlichen Körper nicht ausreichend beschreiben. Bei denselben 35 Grad erschwert eine hohe Luftfeuchtigkeit die Regulierung der Körpertemperatur, weil Schweiß nicht verdunstet; fehlt zudem Wind, kann der Körper weniger Wärme abgeben. Auch das Risiko einer Person, die auf einer befestigten Straße in direkter Sonne arbeitet, unterscheidet sich von dem einer Person in einem schattigen Innenraum.

### Warum der UTCI für die Politik nützlich ist

Der UTCI berücksichtigt nicht nur die Temperatur, sondern beschreibt umfassender die tatsächliche Wärmebelastung des menschlichen Körpers. Daher eignet er sich besser für folgende politische Fragestellungen:

1. **In welcher Region ist das Risiko am höchsten?**  
   Selbst innerhalb derselben Stadt unterscheidet sich das Risiko je nach Mangel an Grünflächen, Dichte von Hochhäusern, Verkehrsaufkommen und Wohnumfeld.

2. **Zu welchen Tageszeiten sollten Aktivitäten im Freien eingeschränkt werden?**  
   Werden neben der Mittagstemperatur auch Strahlungswärme und Windverhältnisse berücksichtigt, lassen sich Arbeit, Sport und schulische Aktivitäten präziser anpassen.

3. **Können Warnschwellen an Gesundheitsrisiken ausgerichtet werden?**  
   Einfache Schwellenwerte für die Höchsttemperatur können die Risiken in Küstenstädten mit hoher Luftfeuchtigkeit oder in Großstädten mit hohen nächtlichen Tiefsttemperaturen übersehen.

4. **Sind Vergleiche zwischen Ländern möglich?**  
   Globale Studien benötigen einen einheitlichen Indikator, mit dem sich Hitzestress trotz unterschiedlicher regionaler Klimabedingungen vergleichen lässt.

## Was aus Frankreich und der Warnung der WHO für Europa abzuleiten ist

Die Schätzung der Übersterblichkeit in Frankreich und die Warnung des WHO-Regionalbüros für Europa zeigen, dass Europa nicht länger als „aufgrund seines gemäßigten Klimas relativ sicher vor Hitzewellen“ gelten kann. Insbesondere hat Europa einen hohen Anteil älterer Menschen, und manche Wohn-, Gesundheits- und städtischen Infrastrukturen sind nicht für lang anhaltende hohe Temperaturen ausgelegt.

### Drei politisch wichtige Fragen

| Frage | Benötigte Daten | Politische Maßnahmen |
|---|---|---|
| Wer ist am stärksten gefährdet? | Alter, Erkrankungen, Einkommen, Wohnform, alleinlebend oder nicht, Beruf | Kontaktaufnahme mit älteren Menschen, aufsuchende Betreuung, Unterstützung gefährdeter Haushalte bei der Kühlung |
| Wo ist das Risiko am höchsten? | Karten städtischer Wärmeinseln, Grünflächenanteil, Zugang zu Kühlung, Daten zu Rettungseinsätzen | Einrichtung von Kühlzentren, Sonnenschutz, Wasserversorgung, Stadtbegrünung |
| Wann muss eingegriffen werden? | Temperatur, Luftfeuchtigkeit, UTCI, nächtliche Tiefsttemperatur, Entwicklung von Todesfällen und Notaufnahmebesuchen | Frühwarnung, Anpassung der Arbeitszeiten, Änderung von Schulterminen |

## Die Rolle von Frühwarnungen, Kühlzentren und Stadtbegrünung

Hitzewellen lassen sich nicht mit einer einzigen politischen Maßnahme bewältigen. Warnsysteme, Gesundheitswesen, Sozialpolitik, Arbeitswelt und Stadtplanung müssen miteinander verknüpft werden.

### 1. Frühwarnung

Beschränkt sich eine Frühwarnung darauf, lediglich eine „Hitzewarnung“ bekannt zu geben, bleibt ihre Wirkung begrenzt. Eine wirksame Warnung sollte folgende Informationen enthalten:

- Erwartete Höchsttemperatur und nächtliche Tiefsttemperatur
- Luftfeuchtigkeit und gefühlte Temperatur oder UTCI
- Besonders gefährliche Tageszeiten
- Verhaltensempfehlungen für einzelne gefährdete Gruppen
- Reaktionsstufen für medizinische Einrichtungen, Kommunen und Betreuungseinrichtungen
- Änderungen im Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel, von Schulen und bei Arbeiten im Freien

Insbesondere bei hohen nächtlichen Tiefsttemperaturen hat der Körper weniger Zeit zur Erholung, wodurch das Sterberisiko steigen kann. Tropennächte, in denen es auch nachts nicht abkühlt, müssen daher als gesundheitliches Warnsignal behandelt werden.

### 2. Kühlzentren

Kühlzentren können für Menschen in Wohnungen ohne Klimaanlage, alleinlebende ältere Menschen, Obdachlose und im Freien Beschäftigte zu einer lebensrettenden Infrastruktur werden. Für ihre Wirksamkeit sind jedoch Lage und Öffnungszeiten entscheidend.

- Sie müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß gut erreichbar sein.
- Eine nächtliche Öffnung sollte geprüft werden.
- Die Mitnahme von Haustieren, Barrierefreiheit sowie Wasser- und Stromversorgung müssen berücksichtigt werden.
- Mehrsprachige Hinweise, Textnachrichten und persönliche Besuche sind erforderlich, damit die Bevölkerung die Zentren tatsächlich kennt und nutzt.

### 3. Stadtbegrünung und Verringerung von Wärmeinseln

Stadtbegrünung ist keine kurzfristige Notfallmaßnahme, sondern eine strukturelle Anpassungspolitik, die das Hitzrisiko langfristig senkt. Baumschatten, Parks, wasserdurchlässige Beläge, kühle Dächer, helle Straßenbeläge und die Sicherung von Frischluftschneisen tragen dazu bei, die Wärmebelastung von Oberflächen und Fußgängerbereichen zu verringern.

Doch auch bei Begrünungsmaßnahmen ist Gerechtigkeit wichtig. Die gesundheitliche Wirkung ist größer, wenn Investitionen vorrangig in Gebiete fließen, in denen Wärmeinseln und gefährdete Bevölkerungsgruppen zusammentreffen, statt in wohlhabende Viertel, die bereits über viele Grünflächen verfügen.

## Welche Systeme sich bei einer längeren Hitzewellensaison ändern müssen

Wenn Hitzewellen im Sommer der Nordhalbkugel früher beginnen und länger anhalten, müssen sich auch gesellschaftliche Systeme ändern. Dies wird von einem Klimaproblem zu einem betrieblichen Risiko.

### Arbeitszeiten und Arbeitsschutz

Beschäftigte im Baugewerbe, in der Landwirtschaft, Logistik, Lieferbranche, Straßeninstandhaltung, in Häfen, bei militärischen Übungen und im Sport sind Hitzestress unmittelbar ausgesetzt. Folgende Anpassungen sind erforderlich:

- Einstellung der Arbeit während besonders gefährlicher Tageszeiten oder Umstellung auf Schichtbetrieb
- Verpflichtende Bereitstellung von Schatten, Wasser und Pausen
- Sicherheitsschulungen für neue Beschäftigte und Arbeitsmigranten
- Meldesystem für Symptome hitzebedingter Erkrankungen
- Vorschriften, die Evakuierung und Pausen ohne Lohnausfall ermöglichen

### Schulbetrieb

Schulen sind nicht nur mit der Gesundheit der Schüler, sondern auch mit Verpflegung, Schulweg und Betreuungsangeboten verbunden. Bei länger anhaltenden Hitzewellen sind folgende Standards erforderlich:

- Vorgaben zur Kühlung von Klassenräumen und zur Stabilität der Stromversorgung
- Kriterien für die Einschränkung von Sportunterricht im Freien
- Anpassung der Zeiten für den Schulweg
- Änderung von Prüfungs- und Veranstaltungsterminen
- Vermeidung von Betreuungslücken für gefährdete Schüler

### Versicherungen und öffentliche Finanzen

Hitzewellen sind ein Risiko, das von traditionellen Katastrophenversicherungen nur schwer abgedeckt werden kann. Anders als bei sichtbaren Schäden wie Gebäudeschäden treten Todesfälle, Erkrankungen, Produktivitätsverluste, ein sprunghafter Anstieg der Stromnachfrage und Ernteschäden in komplexer Weise gemeinsam auf. Künftig könnten Versicherungs- und Finanzierungsfragen in folgenden Bereichen an Bedeutung gewinnen:

- Verluste durch hitzebedingte Betriebsunterbrechungen
- Gesundheitsschäden bei Beschäftigten und Anerkennung als Arbeitsunfall oder Berufskrankheit
- Produktionsverluste in Landwirtschaft und Tierhaltung
- Überlastung der Stromnetze und Risiko von Stromausfällen
- Investitionskosten für öffentliche Kühlungsinfrastruktur

## Erforderliche Elemente für die Erweiterung zu einem Datenartikel

Um Hitzewellen in Dateninhalten zu behandeln, werden Datensätze benötigt, die Gesundheitsrisiken erklären, statt lediglich Ranglisten der Höchsttemperaturen zu bieten.

### Daten, die nach Städten erhoben werden können

| Datenelement | Beschreibung | Nutzung |
|---|---|---|
| Schwellenwerte für Hitzewarnungen | Die von den jeweiligen Städten und Ländern verwendeten Kriterien für Hinweise und Warnungen | Vergleich der Empfindlichkeit von Warnsystemen |
| Höchst- und Tiefsttemperaturen | Grunddaten zur Wärmebelastung am Tag und in der Nacht | Bewertung von Tropennächten und Erholungsmöglichkeiten |
| Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlungswärme | Faktoren, die das gefühlte Risiko erhöhen oder senken | Berechnung des UTCI oder der gefühlten Temperatur |
| Schätzung der Übersterblichkeit | Geschätzter Anstieg der Todesfälle während einer Hitzewelle | Bewertung gesundheitlicher Auswirkungen |
| Notaufnahmebesuche und Rettungseinsätze | Zeitnahe Indikatoren im Zusammenhang mit hitzebedingten Erkrankungen | Stärkung frühzeitiger Maßnahmen |
| Standorte von Kühlzentren | Erreichbare Schutzinfrastruktur | Ermittlung von Versorgungslücken in gefährdeten Gebieten |
| Karten städtischer Grünflächen und Wärmeinseln | Unterschiede der thermischen Umgebung nach Stadtvierteln | Festlegung von Prioritäten für langfristige Anpassungsinvestitionen |
| Verteilung gefährdeter Bevölkerungsgruppen | Ältere Menschen, alleinlebende Haushalte, einkommensschwache Menschen, im Freien Beschäftigte und andere | Gestaltung maßgeschneiderter Schutzmaßnahmen |

## Checkliste für die Auswertung von Daten

Beim Lesen von Berichten über Hitzewellen oder beim Vergleich politischer Unterlagen sollten folgende Punkte geprüft werden:

1. **Wurde nur die Temperatur angegeben oder wurden auch Hitzestressindikatoren genannt?**
2. **Wurde unterschieden, ob es sich bei der Zahl der Todesfälle um direkte Todesfälle durch hitzebedingte Erkrankungen oder um eine Schätzung der Übersterblichkeit handelt?**
3. **Wurde angegeben, ob die Daten vorläufig oder endgültig sind?**
4. **Gibt es eine Analyse gefährdeter Gruppen wie älterer Menschen, im Freien Beschäftigter und einkommensschwacher Menschen?**
5. **Wurde neben der Höchsttemperatur am Tag auch die nächtliche Tiefsttemperatur betrachtet?**
6. **Wurden tatsächliche Verhaltensänderungen und die Umsetzung politischer Maßnahmen nach einer Warnung bewertet?**
7. **Werden regionale Unterschiede innerhalb einer Stadt dargestellt?**

## Fazit

Hitzewellen gehen über das bloße Gefühl von „Hitze“ hinaus und sind eine Gesundheitskrise, die Sterblichkeit, Krankheiten, Arbeit, Bildung, Versicherungen und Stadtplanung verändert. Die Warnung des WHO-Regionalbüros für Europa, die Schätzung der Übersterblichkeit in Frankreich und die globale Hitzestressforschung weisen in dieselbe Richtung. Die künftige Reaktion auf Hitzewellen muss sich von temperaturbasierten Vorhersagen zu einem auf Hitzestress beruhenden Management von Gesundheitsrisiken verlagern.

Ziel der Politik darf es nicht nur sein, vor Hitzewellen zu warnen, sondern den am stärksten gefährdeten Menschen so schnell wie möglich Schutz zu vermitteln. Dafür müssen Indikatoren wie der UTCI, Analysen der Übersterblichkeit, Daten zur Gefährdung in einzelnen Städten und Informationen über den Zugang zu Kühlung gemeinsam veröffentlicht und vergleichbar gemacht werden.

## FAQ

### Warum ist extreme Hitze eine Krise der öffentlichen Gesundheit?
Extreme Hitze kann nicht nur Hitzschläge verursachen, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Nierenerkrankungen, Dehydrierung und Schlafmangel verschlimmern und dadurch die Zahl der Todesfälle sowie den medizinischen Versorgungsbedarf erhöhen. Da die Folgen vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, im Freien Arbeitende und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen treffen, sind sowohl gesundheitspolitische als auch sozialpolitische Schutzmaßnahmen erforderlich.

### Was bedeutet Übersterblichkeit?
Die Übersterblichkeit ist ein Schätzwert dafür, um wie viel die tatsächliche Zahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum über der normalerweise zu erwartenden Zahl liegt. Sie ist nützlich, um auch gesundheitliche Folgen umfassend zu erfassen, die wie bei extremer Hitze nicht als direkte Todesursache dokumentiert werden.

### Wie unterscheidet sich der UTCI von der gewöhnlichen Lufttemperatur?
Der UTCI ist ein Hitzestressindex, der neben der Lufttemperatur auch Bedingungen wie Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonnenstrahlung berücksichtigt, die die Wärmebelastung des menschlichen Körpers beeinflussen. Daher kann er besser als die bloße Höchsttemperatur geeignet sein, um das tatsächliche Gesundheitsrisiko und die Risiken bei Aktivitäten im Freien einzuschätzen.

### Wie sind die französischen Daten zur hitzebedingten Übersterblichkeit im Jahr 2026 zu interpretieren?
Berichten zufolge wurde in Frankreich für den Zeitraum der extremen Hitze vom 22. bis 28. Juni 2026 eine Schätzung von 2,025 zusätzlichen Todesfällen veröffentlicht, zugleich wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Daten unvollständig seien. Daher sollten neben der Zahl selbst auch der Erfassungszeitraum, die Vergleichsbasis, die Vollständigkeit der Daten und die Frage berücksichtigt werden, ob eine Analyse nach gefährdeten Bevölkerungsgruppen vorgenommen wurde.

### Warum reicht bei Hitzewarnungen die Höchsttemperatur allein nicht aus?
Selbst bei gleicher Höchsttemperatur variiert das Risiko für den menschlichen Körper je nach Luftfeuchtigkeit, Wind, Schatten, Strahlungswärme und nächtlicher Tiefsttemperatur. Insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit und wenn die Temperatur auch nachts nicht sinkt, kann sich der Körper nur schwer erholen, wodurch das Risiko steigen kann.

### Unter welchen Bedingungen sind Kühlzentren wirksam?
Kühlzentren sind wirksam, wenn sie gut erreichbar und lange genug geöffnet sind und gefährdete Bevölkerungsgruppen ihren Standort und die Nutzungsmöglichkeiten tatsächlich kennen. Auch Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen, nächtliche Öffnungszeiten, Wasserversorgung und die Möglichkeit, Haustiere mitzubringen, können die Nutzung beeinflussen.

### Warum ist Stadtbegrünung für den Umgang mit extremer Hitze wichtig?
Maßnahmen zur Stadtbegrünung und zur Minderung städtischer Wärmeinseln, etwa Baumschatten, Parks, wasserdurchlässige Beläge und kühle Dächer, tragen dazu bei, die Wärmebelastung von Fußwegen und Oberflächen zu reduzieren. Wenn Investitionen insbesondere in Gebieten priorisiert werden, in denen ein Mangel an Grünflächen und eine hohe Konzentration gefährdeter Bevölkerungsgruppen zusammentreffen, kann der gesundheitliche Nutzen größer sein.

### Wie kann sich extreme Hitze auf die Arbeitszeit auswirken?
Bei Tätigkeiten im Freien, etwa im Bauwesen, in der Landwirtschaft, in der Logistik, bei Lieferdiensten und bei Straßenreparaturen, besteht während extremer Hitze ein hohes Risiko für hitzebedingte Erkrankungen. Es kann erforderlich sein, die Arbeit zu besonders gefährlichen Tageszeiten einzustellen, Pausen, Wasser und Schatten bereitzustellen, Schichtsysteme anzupassen und ein Meldesystem für hitzebedingte Erkrankungen einzurichten.

### Wie sollten Schulen auf extreme Hitze reagieren?
Schulen sollten die Kühlung der Klassenräume, Einschränkungen des Sportunterrichts im Freien, angepasste Schulwegzeiten, Änderungen bei Veranstaltungs- und Prüfungsterminen sowie die Betreuung gefährdeter Schülerinnen und Schüler gemeinsam berücksichtigen. Da eine bloße Schulschließung Betreuungslücken verursachen kann, sind regional angepasste ergänzende Maßnahmen erforderlich.

### Welche Aspekte sind beim Vergleich von Daten zu extremer Hitze am wichtigsten?
Höchst- und Tiefsttemperaturen, Luftfeuchtigkeit, UTCI oder gefühlte Temperatur, Übersterblichkeit, Besuche in Notaufnahmen, Erreichbarkeit von Kühlzentren, städtische Grünflächen und die Verteilung gefährdeter Bevölkerungsgruppen müssen gemeinsam betrachtet werden. Nur so lässt sich statt einer bloßen Rangfolge der Hitze das tatsächliche Gesundheitsrisiko vergleichen.

## Sources

- [Erklärung des WHO-Regionalbüros für Europa zu extremer Hitze](https://www.who.int/europe/news/item/07-07-2026-statement---extreme-heat--more-deadly-weeks-may-still-lie-ahead-for-the-european-region)
- [Le Monde: Frankreich verzeichnet 2,025 zusätzliche Todesfälle infolge der Hitzewelle, doch die Daten sind weiterhin unvollständig](https://www.lemonde.fr/en/environment/article/2026/07/03/france-records-2-025-excess-deaths-from-heatwave-but-data-remains-incomplete_6755118_114.html)
- [JAMA-Artikel zur globalen Hitzestressforschung](https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2851468)
- [ECMWF: Globaler Hitzestress nimmt zu](https://www.ecmwf.int/en/about/media-centre/2026/global-heat-stress-intensifies)

## Images

![Städtische Straße während einer Hitzewelle, mit Kühlzentren und einem Krankenwagen vor einem Krankenhaus](https://injoys.com/rails/active_storage/blobs/proxy/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ODMzLCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--adb08dc14fb91b72e4e81d393cf22cc6ba5d7d47/ai-89103804.webp)
![Gesundheitsinfografik, die eine europäische Hitzewellenkarte mit Hitzestressfaktoren, Menschen und Gegenmaßnahmen verknüpft](https://injoys.com/rails/active_storage/blobs/proxy/eyJfcmFpbHMiOnsiZGF0YSI6ODM5LCJwdXIiOiJibG9iX2lkIn19--59d6d96459658b8d7ce90c3f5f32da34abaf8b1b/ai-82a2e4cc.webp)